Unsauberkeit beim Hund – So gehst Du dagegen vor

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Gerade im kalten Novemberwetter freuen sich Hund und Hündin, Herrchen und Frauchen nach einem ausgiebigen Spaziergang darauf, wieder ins Warme zu gelangen und gemeinsam zu entspannen. Doch manch zu große Entspannung führt unweigerlich zu Anspannung, nämlich dann, wenn sich der Vierbeiner drinnen löst und die gute Stube verunreinigt. Ganz egal, was der Auslöser hierfür sein mag – Ursachen und Lösungsansätze für das Problem der Stuben(un)reinheit gibt es einige. Wir stellen sie euch vor.

Das Problem: Dein Hund macht sein Geschäft nicht draußen

Einige von euch werden es kennen: egal, wie lang man mit der Fellnase draußen unterwegs war und egal, wie viele der tollsten Hecken, Sträucher und Wiesen man aufgesucht hat, der Hund hat vieles getan – nur nicht seine Geschäfte. Diese holt er dann später, bestenfalls sobald man nach Hause kommt, drinnen nach. Da Hunde jedoch von Natur aus saubere Tiere sind und aufgrund ihres angeborenen Reinheitsinstinkts nur ungern ihr Zuhause verschmutzen, lassen sich Probleme mit der Stubenreinheit recht leicht beheben.

Zuerst muss der Ursache des Verhaltens auf den Grund gegangen werden, wobei zwischen Welpen und erwachsenen Hunden diverse Unterschiede in Gründen und Lösungsansätzen bestehen.

Unsauberkeit beim Welpen

Es ist wichtig, das Alter Deines Welpen und seine bisher gemachten Erfahrungen zu berücksichtigen. So ist es gut zu wissen, wie und wo, auf welcher Art von Untergrund er bislang seine Geschäfte erledigen konnte, um dem jungen Tier die Umgewöhnung in sein neues Zuhause durch Vertrautes leichter zu gestalten.

Die Hauptursache für Probleme mit der Stubenreinheit bei Welpen liegt darin, dass diese schlichtweg noch Babies sind, die ihre Blase und ihren Darm noch nicht ausreichend kontrollieren können. Anzuhalten und zur richtigen Zeit am richtigen Ort los zulassen will geübt sein!

Wann müssen Welpen raus?

Hundekinder müssen häufig und dann auch schnell „auf Toilette“. Als frischer Hundehalter sollte man sich dessen bewusst sein, dass man regelmäßig und bei jedem Wetter ca. alle 1,5 bis 2 Stunden mit dem jungen Tier ins Freie gehen sollte, um ihm die Möglichkeit zu geben, sich dort lösen zu können.

Außerdem müssen Welpen konsequent nach jedem Aufwachen, Fressen, Trinken und jeder Aufregung wie zum Beispiel Spielen oder Toben raus.

Hierfür ist es am besten, den Welpen an eine vorher ausgewählte Stelle zu bringen – je nach Alter sogar dorthin zu tragen – ihn abzusetzen und nichts anderes mit ihm zu machen als maximal ein paar Schritte hin und zurück zu laufen, bis der Welpe sein Geschäft verrichtet hat. Es ist wichtig, den Welpen vorher nicht durch Spielen, Streicheln oder „Gespräche“ abzulenken, da er sonst leicht vergisst, dass er mal muss.

Die große, weite Welt!

Denn das ist oft das Dilemma der jungen Hunde: die große Welt ist so spannend und es gibt unendlich viel Neues zu entdecken! Gerüche, Geräusche, Grashalme und manches mehr bieten interessante Ablenkungen, sodass die volle Blase leicht in Vergessenheit gerät.

Zudem ist die ungeheure Vielzahl der Eindrücke nicht nur furchtbar spannend, sondern zum Teil auch furcht- und angsteinflößend. Gerade introvertierte Welpen und Junghunde fühlen sich draußen oft unsicher und trauen sich auch aufgrund ihrer körperlichen, sowie mentalen Unterlegenheit erwachsenen Tieren gegenüber nicht, ihre Insignien und weitere Auskünfte über sich, die als Duftmarke unweigerlich mit dem Geschäft für andere gut lesbar hinterlassen werden, in fremde Reviere zu setzen.

Geborgenheit und Entspannung

Damit sich der Welpe nicht erst in seinem Zuhause geborgen und entspannt fühlt, ist es wichtig, bereits draußen für diese prima Voraussetzungen für’s Geschäft zu sorgen. Biete deinem Welpen Schutz und Sicherheit und sorge für wenig Ablenkungen. Suche bestenfalls einen ruhigen Platz für seine Notdürfte aus, an dem möglichst wenige andere Tiere ihre Spuren hinterlassen. Gerade zu Beginn des Stubenreinheitstrainings solltest du immer diese eine Stelle mit dem Welpen aufsuchen, damit er dort bald seinen eigenen Duft erkennt, sich sicher fühlt und sich daran erinnert, dass dies der richtige Platz für seine Hinterlassenschaften ist.

Sicherlich weißt du, dass ein Welpe generell keine langen Spaziergänge benötigt, dass diese ihm sogar eher schaden und dass er lediglich ca. eine Minute pro Lebenswoche am Stück draußen sein sollte. Diese Faustregel lässt sich hervorragend mit dem Sauberkeitstraining kombinieren, da somit oft die gleichen Strecken gegangen und die gleichen Orte aufgesucht werden.

Wurstwasser – Die Lösung gegen die volle Blase bei Welpen!

Wenn sich der Hund trotz all dessen draußen einfach nicht löst und ihr gefühlte Ewigkeiten an seiner Toilettenstelle verharrt, ohne dass etwas passiert, kann man sich mit einem kleinen Trick helfen. Vermische einfach Wasser mit einer besonderen Leckerei, beispielsweise ein wenig Leberwurst, wenn dein Hund diese mag und verträgt, und bringe den Vierbeiner somit dazu, eine große Menge zu trinken. Daraufhin sucht ihr seine ausgewählte Wiese auf – die Blase des Hundes wird sich nach der aufgenommenen Menge an Flüssigkeit zwangsläufig bald leeren.

Das A und O zum Erfolg: loben, loben, loben

Sobald der Welpe erfolgreich gepullert oder sein Häufchen gesetzt hat, solltest du ihn ausgiebig loben! Durch ruhige verbale, körperliche oder ab und an auch essbare Belohnungen vermittelst du dem Welpen, dass er gerade etwas Großartiges geleistet hat! Da Hunde durch positive Bestätigung sehr gut lernen, wird der Welpe schnell begreifen, dass es sich lohnt, sich draußen zu lösen.

Ein Hundeklo in der Wohnung?

Davon, eine Zeitung, Pads oder gar ein Hundeklo als Toilette in der Wohnung oder im Haus anzubieten, rate ich ab. Diese gern genutzten Hilfsmittel führen nicht nur dazu, dass der junge Hund lernt, dass es vollkommen in Ordnung ist, seine Geschäfte drinnen zu erledigen. Dadurch, dass der Welpe erst beigebracht bekommt, sich dort zu lösen und im nächsten Schritt dann erst an der eigentlich richtigen Stelle draußen, haben Zwei- und Vierbeiner außerdem doppelte Arbeit.

Wichtige Beobachtungen

Um zu wissen, wie sich der Welpe benimmt, kurz bevor er mal muss, ist es äußerst wichtig, ihn stets gut im Auge zu behalten – was sich bei den verspielten, tapsigen Neugierigen generell empfiehlt! Gerade, wenn der Welpe noch nicht stubenrein ist, sollte er keinerlei Möglichkeit bekommen, sich an einen ruhigen Ort in der Wohnung zurück zu ziehen und dort still und heimlich sein Geschäft zu machen.

Durch derartige Beobachtungen sieht man am Verhalten des Welpen recht schnell, wenn es Zeit ist, den Hund zügig an seine Pipi-Stelle zu bringen. Viele Hunde werden unruhig, hecheln stark, gähnen mehrfach herzhaft, tappsen hin und her, schnüffeln intensiv, drehen sich dabei womöglich sogar im Kreis – all dies sind potentielle Anzeichen dafür, dass der Hund mal muss und nach draußen gebracht werden sollte.

Tipps für die Nacht

Auch nachts ist es wichtig, den Welpen bei sich zu behalten und so seine Zeichen deuten zu können. Am besten gewöhnst du ihn an eine verschließbare Schlafbox, in welcher der junge Hund in der Nähe deines Bettes die Nacht verbringt. Da der Welpen bereits von seiner Mutter gelernt hat, die Wurfbox nicht zu verunreinigen, wird er keinesfalls in seine Schlafhöhle machen wollen und sich bemerkbar machen. Dann heißt es Jogginghose an und schnell raus!

Indem du lernst, deinen Hund aufgrund seines Verhaltens zu lesen und nach und nach seine Zeichen verstehst, vermeidest du nicht nur unliebsame Missgeschicke. Dein Hund wird sich nicht nur zuverlässig bemerkbar machen, wenn die Blase drückt, sondern auch merken, dass es sich lohnt, mit dir zu kommunizieren. Dies ist ein enormer Gewinn für eure Bindung.

So zeigst Du Deinem Welpen, dass er etwas falsch gemacht hat

Dass ab und an ein Malheur passiert, ist gerade bei Welpen nahezu unvermeidlich. Am besten säuberst du die Stelle gründlich mit Seifenlauge, verdünntem Essig, Backpulver und/oder speziellem Enzymreiniger. Dies ist wichtig, damit möglichst keine Duftmarke bestehen bleibt, die deinen Hund erneut zum Geschäft an diesem Ort animieren könnte.

Wenn das Unglück bereits geschehen ist, gilt es, Ruhe zu bewahren und die Pfütze oder das Häufchen in möglichst neutraler Stimmung zu beseitigen. Auch innerlichen Ärger kann dein Hund spüren, aber nicht nachvollziehen. Auf keinen Fall solltest du mit deinem Tier schimpfen oder es bestrafen, zum Beispiel indem du seine Nase in das Missgeschick tauchst!

Bitte nicht schimpfen!

Hierfür gibt es zwei Gründe: einerseits kann der Hund „seine Tat“ nicht mit deinem Zorn in Verbindung bringen, sein Vertrauen zu dir verlieren, womöglich gar Angst vor dir bekommen. Selbst, wenn der Hund dein in seinen Augen unverständliches und unberechenbares Verhalten mit seinem Geschäft verknüpfen würde, lernt er im schlimmsten Fall, dass es negativ für ihn ist, sich in deiner Gegenwart zu lösen – was zu neuen, ernsteren Problemen führen kann. Andererseits könnte der Hund deine Aufregung auch als Aufmerksamkeit fehl deuten und sich für sein Verhalten belohnt verstehen.

Unsauberkeit bei erwachsenen Hunden

Wenn Unreinheit beim erwachsenen Hund auftritt, gilt es zu unterscheiden, ob er bereits einmal stubenrein war oder ob ihm das Konzept völlig neu ist.

Der Hund war noch nie stubenrein?

Letzteres ist häufig bei adoptierten Hunden, im besonderen jenen aus dem Tierschutz, bei Straßen- oder Zwingerhunden der Fall. Für diese Tiere lohnt sich das Vorgehen wie beim Training der Stubenreinheit mit dem Welpen.

Der Hund war bereits stubenrein?

Sollte allerdings ein Hund plötzlich unsauber werden und sich wiederholt in seinem Zuhause lösen, ist ein Besuch beim Tierarzt notwendig: womöglich leidet das Tier unter einer Blasenentzündung.

Wenn die Untersuchung beim Tierarzt keine Ursache für das unliebsame Verhalten des Hundes aufweisen kann, muss man als Halter genauer hinsehen und nach Gründen forschen. Hierfür hilft es, zu versuchen, sich in sein Tier hinein zu versetzen und hinein zu fühlen. Kann die plötzliche Unreinheit psychosomatische Hintergründe haben? Gab es Veränderungen im Leben oder in der Umgebung des Tieres? Vergisst der Hund seine Stubenreinheit in bestimmten Situationen, z.B. wenn er bei Begrüßungen zu aufgeregt ist? Auf derartige Gründe muss gegebenenfalls individuell eingegangen werden, um das Problem zu lösen.

Fazit

Stubenreinheit will gelernt sein – sowohl beim jungen, als auch beim erwachsenen Hund.

Mit diesen Hinweisen gelingt es, deinem Vierbeiner beizubringen, sein Geschäft ausschließlich draußen zu verrichten:

  • Bringe deinen Hund regelmäßig zu seiner ausgewählten Toilettenstelle: Welpen ca. alle 1,5 bis 2 Stunden, Adulte mindestens 3-4 Mal am Tag.
  • Achte an dieser Stelle auf wenig Ablenkung, damit der Hund seine volle Blase nicht vergisst.
  • Biete deinem Hund Schutz und Geborgenheit, so kann er sich entspannen.
  • Verzichte auf ein Hundeklo oder ähnliche Orte, an denen der Hund lernt, sein Geschäft drinnen zu verrichten.
  • Nutze im Notfall den Wurstwasser-Trick.
  • Wenn der Hund sich draußen löst, lobe ihn ausgiebig mit Worten, Streichel- und Spieleinheiten oder Leckerchen.
  • Lerne, deinen Hund zu lesen: durch zum Beispiel Winseln, Schnüffeln, Hecheln, Gähnen, sich im Kreis Drehen, Zeichen von Nervosität oder ähnliches macht sich sicherlich auch dein Hund bemerkbar, wenn er mal muss.
  • Gehe auf die Kommunikation, die dein Hund dir anbietet, ein. So stärkst du auch eure Bindung.
  • Lasse deinen unsauberen Hund nie unbeobachtet oder allein durch die Wohnung laufen.
  • Bleibe auch nachts in der Nähe deines Hundes. Am besten schläft er in einer ihm vertrauten, verschlossenen Hundebox.
  • Wenn ein Malheur passiert ist, reinige die Stelle gründlich und ruhig.
  • Schimpfe nicht mit deinem Hund und bestrafe ihn nicht für sein Missgeschick. Dies zerstört sein Vertrauen in dich, kann schlimme Folgen für eure Beziehung haben und für weitere Probleme sorgen.
  • Auch erwachsene Tiere können (wieder) stubenrein werden.
  • Wenn der erwachsene Hund noch nie stubenrein war, gehe im Training vor wie bei Welpen.
  • Wenn der erwachsene Hund plötzlich unsauber wird, lasse ihn von einem Tierarzt untersuchen. Sollten medizinische Gründe als Ursache für das Problem ausgeschlossen werden können, liegt vermutlich eine psychosomatische Ursache vor, welche tiefer gehend erforscht werden sollten.

Bitte vergiss nicht, dass dein Hund nicht mit Absicht, aus Trotz oder um dich zu ärgern in die Wohnung oder das Haus macht. Hunde sind reinliche Tiere, die nur ungern ihr Zuhause verschmutzen. Egal, welche Ursachen der Stuben(un)reinheit deines Vierbeiners zu Grunde liegen, gehe in der Problemlösung mit viel Ruhe, Geduld und Liebe auf seine Bedürfnisse ein.

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Andrea

Ich bin Andrea, 28 Jahre alt und lebe in Görlitz. Nachdem ich gerade mein Studium abgeschlossen habe, beginnt eine neue spannende Lebensphase, in der mich - wie bereits seit zwei Jahren - meine Mischlingshündin Zosia begleitet. Seit ich meine kleine Schwarze im Alter von ca. 6 Monaten aus dem Tierheim geholt habe, ist meine Leidenschaft für und Wissbegierde über Hunde neu entfacht und ich sammle unentwegt Infos und Erfahrungen in der Welt der Hunde. Dies alles teile ich sehr gern. Außerdem bin ich seit Dezember '18 zertifizierte Fit mit Hund-Trainerin, um Mensch-Hund-Teams nicht nur zu ein bisschen Sport, sondern auch zueinander zu bringen.