Mein Hund und das Alleinsein – Über zwei Extreme

Google+ Pinterest LinkedIn Tumblr +

Viele Hundehalter kennen das Problem, einige andere ein gegensätzlicheres, eher seltenes Extrem: Der Hund kann einerseits nicht alleine bleiben – oder aber er möchte lieber in Ruhe gelassen werden. Für beides gibt es triftige und sicherlich nicht zu vernachlässigende Ursachen, um die man sich kümmern sollte. In diesem Artikel findest Du hierzu nützliche Informationen, Tipps und mehr.

Mein Hund allein in der Wohnung – Das muss gelernt sein

Ein jeder Hundehalter wird in der Regel irgendwann mit den Ängsten seines Hundes konfrontiert. Dazu gehört vor allem die instinktive Angst, zurückgelassen oder verlassen zu werden. Zum Einen gibt es jene Halter mit Welpen, bei welchen es in der Prägephase der ersten Lebenswochen darauf ankommt, wie das Tier sozialisiert wird und welche Bindungen es zu welchen Personen entwickelt. Zum Anderen gibt es Tiere, die aus dem Tierheim, dem Tierschutz oder aus anderen Maßnahmen kommen. Diese können durchaus bereits diverse Dinge erlernt haben, um es ohne Radau zuhause auszuhalten. Oft ist das allerdings nicht der Fall und ebenso sind vorangegangene erzieherische Maßnahmen – vor allem während der Prägephase im jungen Alter – meist nicht mehr nachvollziehbar. Damit wird häufig ein Training zur Notwendigkeit, um es Mensch und Tier letztlich einfacher zu machen. Aber auch Halter, deren Welpen später unablässig bellen und jaulen, wenn niemand im Haus ist, gibt es zuhauf. Beide Typen teilen sich ein Fazit: Der Vierbeiner muss erst noch lernen, dass ihm nichts passiert, wenn er/sie alleine zuhause ist.

Was kannst Du gegen die Angst Deines Hundes tun?

Ein Hund, der alleine zuhause bellt, ruft, umherrennt oder gar Dinge zerstört, braucht Hilfe. Hunde sind von Natur aus Rudeltiere, die oft dann zur traurigen Klette werden, wenn Herrchen oder Frauchen die Jacke überstreifen und sie wissen, dass es nun ins Freie geht. Doch natürlich ist das nicht immer der Fall – und zurück bleibt der Vierbeiner mit meinungsschwerem und vorwurfsvollem Blick, der gar in depressive Phasen verfallen kann. Manch ein Hund bellt nun, andere verrichten ihr Geschäftchen in der Wohnung, wieder andere suchen ohne System jeden Raum auf’s Neue ab. Soll der Hund (hoffentlich) nicht im Tierheim oder anderswo landen, ist also intensives Training angesagt.

Generell gilt, Prozeduren individuell zu üben und dies stetig bis hin zu ersten richtigen Erfolgen zu wiederholen. Folgende Dinge sind nun ratsam:

    • Wichtig: achte grundsätzlich darauf, Deinen Hund nicht allzu sehr zu umsorgen. Auch ein Hund muss eine gewisse Autarkie für sich individuell erlernen und beherrschen können. Zuviel Fürsorge und Aufmerksamkeit können also durchaus schaden. So negativ konnotiert der Begriff auch ist: Ignoranz ist in vielen Situationen eine bessere Alternative, sonst verlernt Dein Hund sogar simple Alltagsfähigkeiten.
    • Bei Welpen gilt Aufbauarbeit: hier empfiehlt es sich, das Alleinsein bereits vorbeugend strategisch und idealerweise spielerisch zu üben. Dein Hund sollte früh lernen, dass es eben nicht optimal ist, von Beginn an rund um die Uhr umtüddelt zu werden. Ab der dritten Lebenswoche beginnt dann also der spielerische Ernst für Deinen Hund, bei welchem klar suggeriert werden muss, dass Herrchen oder Frauchen eben nicht ständig da sein können. Und doch sollte man auch hier langsam mit einer Eingewöhnungsphase beginnen, bevor man „härtere“ Schritte geht. Spielerisch an die Sache heranzugehen bedeutet, Deinem Hund auch hier regelmäßig ein Verlassen und Wiederkommen einzuprägen. Kurze alltägliche Routinehandlungen sind hierfür wunderbar geeignet, so zum Beispiel der Gang zum Briefkasten, ein kurzer Einkauf oder ein Abstecher in den Keller. Wenn Du diese Dinge einige Male am Tag wiederholst und Deinen Hund bereits vor Verlassen der Wohnung nicht beachtest, wird dieser sich daran gewöhnen und merken, dass hier Alltägliches geschieht und Herrchen/Frauchen stets wiederkommen.
    • Bleibe standhaft: es ist enorm wichtig, sich dem unfassbar elenden und traurigen Blick Deines Hundes nicht zu beugen und nicht nachzugeben. Dein Hund lernt nur effektiv, wenn Maßnahmen regelmäßig und effektiv ausgeführt werden. Niemand muss ein gutes Gefühl dabei haben, seinen Hund alleine zurück zu lassen, und doch ist ein stumpfes Türeschließen meist der ideale Weg.
    • Steigere die Übungen des Alleinseins: wenn die Angst Deines Hundes bereits akut und manifest ist, sollten Übungen gut getaktet werden. Hierzu reicht es am Anfang bereits, Deinem Hund die Türe vor der Nase zu verschließen, um sie kurz darauf schon wieder zu öffnen. Diese Übung wird immer weiter wiederholt und schließlich gesteigert. Hat Dein Hund sich gemerkt, dass er nach 45 Sekunden noch nicht verlassen worden und er ruhig im Raum geblieben ist, besteht die Steigerung in einem Raumwechsel Deinerseits für eine längere Zeit. Auch das wird solange wiederholt, bis Dein Hund über mehrere Minuten ruhig im Raum verblieben ist. Dies ist die Basis für weitere Schritte, den Übungen, bei denen die Wohnung schließlich verlassen wird und Dein Hund letztlich lernen soll, alleine in der Wohnung bleiben zu können.
    • Vermeide Trigger-Reaktionen: Dein Hund merkt sich gewisse alltägliche Abläufe und verbindet diese mit potenziellen Folgeaktionen. Das Anziehen einer Jacke, ein klimpernder Schlüsselbund oder allein ein Rascheln in Haustürnähe erzeugen eine Erwartungshaltung. Wiederhole diese simplen Dinge mehrmals am Tag unregelmäßig, ohne eine Aktion folgen zu lassen und Deinen Hund dabei zu beachten. So relativierst du die Erwartungen Deines Hundes und er/sie merkt sich irgendwann, dass diese „Rituale“ nicht zwingend ebensolche sind.
    • Berücksichtige die Rasse Deines Hundes und ihre Eigenheiten: sollte Dein Hund neben Gebelle, Gejaule und Umherlaufen außerdem zerstörerische Tendenzen haben, überlege, ob er/sie möglicherweise einfach unterfordert ist! Leider ist es ein weltweites Problem, dass Hunde aus Trend- oder Modegründen nicht rassegerecht gehalten, versorgt und trainiert werden – das ist für niemanden eine Neuheit. Stelle also sicher, dass Dein Vierbeiner draußen ausreichend laufen kann, beschäftigt ist und gleichermaßen sinnvolle Ruhephasen genießen kann, um einen jeweilig rassetypischen Rhythmus erhalten zu können. Dein Hund wird eher selten wider seine Natur agieren!
    • Lerne Deinen Hund einzuschätzen: nicht jeder Hund leidet gleich unter Trennungsängsten! Es gilt zwischen dieser und jener Angst vor Kontrollverlust zu unterscheiden. Dieser Typ Hund äußert sich bereits schon dann vielmehr durch empörtes und teils dominantes Auftreten, wenn Herrchen/Frauchen noch zuhause sind – und gleichermaßen bei Wiederkehr nach Verlassen des Hauses. Solcherlei Hunde sind zu erkennen an kontrollierendem Grundverhalten wie beispielsweise stetigem Umkreisen, Verfolgen oder Im-Weg-Herumliegen, wobei sie, einmal außerhalb des Hauses, oftmals keinerlei oder nur wenig Interesse an ihrem menschlichen Begleiter mehr zeigen. Während diese Hunde bei Wiederkehr des Menschen meist springen, sich groß darstellen und ihr Körper und vor allem die Ohren nach vorn gerichtet sind, ist es bei Hunden mit Verlustängsten eher das demütige Gegenteil.
    • Zeit als allgemeiner Faktor: zuletzt sei gesagt, dass trotz aller Übungen und Maßnahmen jedem Halter bewusst sein sollte, dass kein Hund länger als 4-6 Stunden am Tag alleine sein sollte.
Zum Spezialartikel:   Clickertraining für Hunde

 

Wenn der Hund lieber allein sein möchte

Natürlich gibt es noch viele andere und durchaus auch umfangreiche Probleme, die Deinen Vierbeiner betreffen können. Eines dieser Themen ist das gegenteilige Phänomen der Trennungsangst: Dein Hund möchte oft lieber für sich sein. Zunächst einmal muss dieses Verhalten nicht zwingend ungewöhnlich sein, womit gesagt sein sollte, ohnehin stets besonnen an die (vermeintliche) Problematik heranzugehen. Achte somit auch auf den Grundcharakter Deines Hundes und stelle Dir die Frage, ob nicht zu viel Zuneigung im Spiel und Dein Hund möglicherweise schlicht überfordert sein könnte.

Ist das Verhalten allerdings eindeutig auffällig, gilt es klarzustellen, wie alt Dein Hund ist, wie seine allgemeine Vorgeschichte und die derzeitige Verfassung ausschauen. Hunde sind sensible Tiere und können stark auf ihre jeweiligen Umfelder reagieren. Sollte Dein Hund lethargisch in einer stillen Ecke liegen, diese auch nur selten, langsam und lustlos verlassen und nimmt er/sie wenig Futter und Wasser zu sich, dann wäre ein Gang zum Tierarzt bereits ratsam. Reagiert Dein Hund schon bei vorsichtiger Annäherung aggressiv, knurrt und zieht die Lefzen hoch, hat er/sie womöglich Schmerzen, die nicht immer gleich ersichtlich sind. Bei Hunden, die das Licht scheuen, könnte eine Erkrankung im Kopfraum naheliegend sein, andere können sich schlicht aus Altersgründen sowie Knochen- oder Sehnenerkrankungen nicht mehr gut bewegen. All diese Anzeichen sollten zeitnah und sorgfältig von einem Tierarzt untersucht werden.

Andere Gründe können umfangreiche Änderungen der Räumlichkeiten sein oder gar ein Wohnungswechsel, in vielen Fällen sicherlich auch der endgültige Verlust einer wichtigen Bezugsperson, sei es durch Abgabe oder Tod. Auch ein Hund kann empört, sauer, zickig oder trauernd sein. In diesen Fällen gilt es stets, Deinem Hund ein möglichst angemessenes Umfeld zu schaffen, wiederum nicht zu viel Aufmerksamkeit sowie grundsätzlich Zeit zu geben und behutsam zu sein.

Dein Hund meidet Nähe und Streicheleinheiten

Ein weiteres Problem kann bestehen, wenn Dein Hund Deine Nähe oder Dein Zimmer meidet, nicht mehr mit im Bett schlafen oder einfach nicht mehr kuscheln möchte. Oft suggeriert dieses Verhalten des Hundes Ablehnung, die Dich als Hundehalter zum Verzweifeln bringen kann. Dein Hund mag also nicht mehr zu Dir kommen und freut sich nicht mehr, wenn er Dich sieht, geht Dir gar gezielt aus dem Weg? Natürlich gibt es auch hier ein paar Dinge zu beachten:

    • Stelle auch hier sicher, dass Dein Hund keine Erkrankung oder Schmerzen hat, die Berührungsängste oder meidendes Verhalten hervorrufen könnten.
    • Auch hier gilt es zu erwähnen, dass es auch bei Hunden viele verschiedene Charaktertypen gibt. So gibt es jene, die das Kuscheln lieben, und andere, die von Natur aus eher auf Distanz bedacht sind. Nicht immer muss dies zwangsläufig in prägenden Ereignissen begründet sein.
    • Versuche auch hier – je nach Herkunft Deines Hundes – herauszufinden, wie seine/ihre Vorgeschichte verlaufen ist. Ist ein ablehnendes Verhalten bereits akut und etabliert, kann es an vormaligen negativen Erfahrungen Deines Hundes liegen. Vermutlich besteht hier also ein grundlegender Vertrauenskonflikt, an dem es dann zu arbeiten gilt. Wenn Dein Hund auf Zuruf reagiert und auch kommt, lasse ihn neben Dir sitzen oder liegen und bedenke ihn anfangs versuchsweise immer wieder mit ganz kurzen, sanften Berührungen. Lässt er/sie dies zu, steigere dieses Ritual mit der Zeit und achte dabei möglichst auf bevorzugte Körperregionen. Frage Dich außerdem, ob Dein Hund (siehe oben!) eher ein Kontrolltyp oder vielmehr schüchtern oder gar verängstigt ist. Der Kontrolltyp entscheidet meist gerne selbst, wann und wo er gekrault werden möchte, womit Deine Eigeninitiative oft abgewehrt wird. Der schüchterne Hund muss erst Vertrauen gewinnen.
    • Wenn Dein Hund bestimmte Zimmer oder konkret ein bestimmtes (Dein) Zimmer meidet, muss auch das in den meisten Fällen nicht zwingend etwas Schlechtes bedeuten. Im Laufe ihres Lebens ändern auch Hunde manchmal scheinbar unbegründet bisher eingespielte Rituale oder eben auch räumliche „Gepflogenheiten“. Manchmal können Sinneswandel saisonal bedingt sein (kaltes Schlafzimmer im Sommer/vor dem Kamin oder Ofen im Winter), andere Male wurde die Wohnung umdekoriert, und obwohl das Bett noch dasselbe ist, hat sich die Wandfarbe irgendwie geändert. Hunde bemerken diese Veränderungen und Atmosphäre kann einen Einfluss auf sie haben. Und manchmal, einfach so, ist eben plötzlich ein anderer Ort in der Wohnung viel bequemer oder kuscheliger, auch wenn die nunmehr bevorzugte Matte vor der Haustür im Vergleich zum kissenbefüllten Körbchen nicht wirklich Sinn ergibt. Lasse Deinen Hund in diesem Fall einfach selbst entscheiden!Natürlich kann ein Zimmer aber auch aus anderen Gründen gemieden werden. Nicht immer sind diese Gründe klar ersichtlich. Vielleicht hast Du beim Umräumen etwas in den Raum gestellt, was Deinem Hund missfällt oder ihm gar Angst macht? Vielleicht ist er mit dem Ergebnis einfach nicht zufrieden und ein anderer Raum scheint vielversprechender für ein Nickerchen? Manchmal wittern Hunde auch bestimmte Gerüche, für die sie sensibel sind. So kann zum Beispiel Schimmel ein Indikator für das Meiden eines Raums sein. Je nach Lage einer Wohnung oder eines Raums in ebendieser kann es Deinem Hund auch einfach irgendwann zu viel werden, sollte der Krach von draußen, Lichteinfall oder anderweitig Unangenehmes gegenüber seiner/ihrer Zuneigung zu Dir überwiegen.
    • Grundsätzlich solltest Du natürlich herausfinden, wie die Vertrauenssituation zu Deinem Hund beschaffen ist, wenn er/sie Dich meidet oder beginnt Dich zu meiden. Selbstredlich kennen auch Hunde ein Gefühl der Eifersucht. Es muss nicht immer Gewalt sein, die einem Tier das Vertrauen nimmt. Vermeintlich kleine Dinge machen oftmals einen gewaltigen Unterschied. Bedenke also, dass Dein Hund auf für dich gängige Entscheidungen und Situationen anders reagieren kann, so zum Beispiel die Wahl eines neues Partners, plötzlich und gänzlich veränderte Arbeitszeiten und damit einhergehende Ritualabwandlungen oder manchmal gar der Wechsel des Waschpulvers, das die Bettdecke zuvor so spannend hat riechen lassen. Nichtsdestotrotz muss natürlich nicht gleich von einem Vertrauensbruch gesprochen werden, wenn Dein Hund möglicherweise manchmal einfach beleidigt ist oder auf diese Art lediglich seine Dominanz austesten oder etablieren möchte. In einem menschlichen Kontext würden wir das dann als Schauspielerei und Erpressung beschreiben.
Zum Spezialartikel:   MDR1-Gendefekt beim Hund - betroffene Rassen, Symptome und Erfahrungen

Das altbekannte Mantra

Alles in allem gilt: Ein Hund erfordert Zeit, Zuneigung, Opferbereitschaft, Liebe, Training, manchmal Blut und Tränen, aber vor allem bereiten Hunde und sicherlich auch andere Haustiere sehr viel Freude, wenn die Bedingungen der Rasse entsprechend individuell stimmen. Niemand ist perfekt, aber das ist auch Dein Hund nicht – und vor allem nicht ohne eine entsprechende Erziehung! Jeder Hund wird es seinem/ihrem Herrchen/Frauchen danken, wenn ein gesunder Lebensrhythmus mit gesunden Ritualen ablaufen kann, obwohl es stets kleine und auch mal große Einschnitte geben wird. Habe Geduld und auch Nachsicht mit Deinem Liebling, und er wird es Dir um ein Vielfaches zurückgeben! Ich wünsche Euch viel Erfolg!

Rating: 5. From 10 votes.
Please wait...

Comments

comments

Share.

About Author

• 31 Jahre alt • aus Hilden, NRW • Studierter Pixelschubser • Texter, Songwriter & Musiker (Gesang) • Student Psychologie

>