Kastration beim Rüden – ja oder nein?

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Befragt man 5 Leute zum Thema Kastration, bekommt man 5 verschiedene Antworten. Auf einmal ist jeder Experte auf dem Gebiet und jeder kennt einen, der einen kennt, bei dem das gewaltig schief gegangen ist. Man hört Horrorgeschichten von Hunden die nach dem Eingriff komplett wesensverändert waren oder sogar ernsthaft krank wurden. Verständlich also, dass man sich eingehend Gedanken macht über solch einen Schritt. Ich bin weiß Gott kein Experte auf dem Gebiet, möchte aber gerne meine Erfahrungen mit Euch teilen.

Vorab gleich vorweggenommen: Schmiddi ist nicht kastriert. Er ist jetzt fast 3 Jahre alt und sollte somit kurz vor seiner dritten Pubertätsphase stehen.

Es soll ja Hunde geben, die völlig tiefenentspannt sind. Nicht großartig auf läufige Hündinnen oder andere Rüden reagieren, kein übermäßig auffälliges Markierverhalten an den Tag legen und auch sonst eher gechillt durchs Leben gehen… soll es ja geben… Schmiddi gehört nicht dazu.

Schmiddi unter hormonellem Dauer-Strom

Es gab durchaus Phasen, in denen er im wahrsten Sinne des Wortes unerträglich war. Sobald ich mit ihm vor die Tür ging, hatte ich das Gefühl, er ist völlig abwesend. Seine Augen waren weit aufgerissen und er stand unter Dauer-Strom. Das Befolgen von Kommandos und die Sache mit der Abrufbarkeit haben in dieser Zeit natürlich auch mehr schlecht als recht funktioniert. Als ich dann noch bemerkt habe, dass er beim Schnüffeln mit den Zähnen klappert, war mir klar: so geht es nicht weiter. Hierbei handelt es sich um ein eindeutiges Zeichen, dass sich der Hund unter großem hormonellen Stress steht. Noch hinzu kam, dass Schmiddi beim Schlafen immer einen weiß-grünlichen Ausfluss aus seinem „Schnippi“ hatte. Laut dem Tierarzt handelte es sich hierbei um eine Entzündung unter der Vorhaut, die im schlimmsten Fall irgendwann zu Prostatakrebs führen könnte. Dieser Ausfluss kommt vorwiegend bei unkastrierten Rüden vor. Schmiddi wurden Spülungen verordnet, die ich gewissenhaft vorgenommen habe, welche aber nur zeitliche Abhilfe schaffen.

Der Stress-Macher wurde identifiziert

Da ich selbst große Angst vor den ganzen unerwünschten Folgen einer Kastration hatte und ich ganz und gar keinen wesensveränderten, trägen Mops haben wollte hab ich mich zunächst mit dem Thema „Hormon-Chip“ beschäftigt.

Die Alternative zur Kastration – Der Hormon-Chip

Hier wird dem Hund ein Chip gespritzt, der nach und nach in kleinen Dosen Hormone abgibt, die die Spermienproduktion unterdrücken. Es hieß normalerweise beginnt der Chip nach ca. 2 Wochen zu wirken und die Wirkung hält zwischen 9 und 12 Monaten an. Je nach Hormonspiegel des Hundes. Mit einem solchen Chip kann man gut testen, ob und in welcher Weise sich der Hund nach einer Kastration verändern würde, da die Wirkung faktisch die gleiche ist. Also gut, dachte ich mir: das teste ich.

Beim ersten Mal dauerte es erstmal 6 Wochen bis ich irgendeine Veränderung bei Schmiddi bemerkt habe. Man hat natürlich auch nicht von heute auf morgen einen anderen Hund sondern die Dinge verändern sich langsam und unauffällig. Irgendwann fiel mir auf, dass mich Schmiddi schon lange nicht mehr in den Wahnsinn getrieben hat 🙂 Dadurch wusste ich: das Ding wirkt jetzt wohl. Auch seine Hoden waren mittlerweile ganz klein geworden. Ansonsten hat er sich vom Wesen kein bisschen verändert. Ein bisschen weniger Futter hat er bekommen – weil er durch den geringeren Stress auch weniger Umsatz hatte – und er war allgemein einfach wieder entspannter, aufmerksamer und er folgte besser. Er war aber immer noch mein Schmiddi, der ohne Ende flitzen und spielen wollte.

Der Chip nahm Schmiddi den Stress – mir auch 😉

Der erste Chip hat allerdings nur 4 Monate gehalten. Dann fing der Spaß von vorne an. Mein Tierarzt wollte mir es erst nicht glauben, dass die Wirkung schon nachgelassen haben soll. Mit einem Griff an seine Klöten 😉 meinte er dann aber nur „Hmm na da ist Schmiddi wohl eine echte “Testosteron-Schleuder“ 🙂 Also gab es nochmal einen Chip hinterher. Das Gute ist, dass man keine Bedenken haben muss. Es gibt keine Nebenwirkungen beim chippen und auch keine „maximale Anzahl“. Der zweite Chip hat dann ca. 9 Monate gehalten.

Zu dieser Zeit war ich eigentlich sicher, dass ich Schmiddi kastrieren lassen möchte, da ich wusste, dass er mit Chip viel weniger Stress hatte und einfach ausgeglichener wirkte. Von meinen Nerven mal ganz abgesehen 😉

„Hmm na da ist Schmiddi wohl eine echte “Testosteron-Schleuder“

Da ich zu diesem Zeitpunkt schon einen Termin bei der Uniklinik in Leipzig hatte um Schmiddi bezüglich seiner Atmung operieren zu lassen, war mir klar, dass ich hier die Kastration mitmachen lassen möchte. Ich wollte Schmiddi auf keinen Fall zu vielen Narkosen unterziehen und war mir sicher, dass es besser sei, „alles in einem Aufwasch zu machen“. Also hab ich Schmiddi in der Zwischenzeit ein drittes Mal chippen lassen bis der Termin der OP „vor der Tür“ stand (wir mussten einige Monate auf einen freien Termin warten).

Der Wendepunkt

Ganz so, wie ich mir die Geschichte ausgemalt hatte, war es am Ende dann allerdings nicht. Die Atmungs-OP war am Ende leider doch umfangreicher, als ursprünglich gedacht (man kann vorher leider schlecht in einen Hund hineinschauen) und die Kastration zusätzlich zu dieser OP wäre eine zu große Belastung für Schmiddi gewesen. All das war mir in dem Moment aber auch egal. Ich wollte nur, dass Schmiddi wieder ganz fit wird. Die ersten Wochen nach der OP musste ich ihn ohnehin stark schonen und … ihr werdet es kaum glauben… die Sache mit der Kastration hat sich bisweilen von selbst erledigt. Ich weiß nicht sicher, woran es liegt, aber sowohl die Sache mit dem Schnippi-Ausfluss, als auch der hormonelle Stress haben sich gelegt. Ich schätze, dass Schmiddi vom Alter her einfach aus dem „Gröbsten“ raus ist. Ich bin froh, dass es ihm gut geht und dass ich fürs Erste keine weitere, zusätzliche Narkose in Betracht ziehen muss.

Lösung? – Beobachtet euren Hund!

Was möchte ich Euch mit unserer Geschichte auf den Weg geben? Es gibt wohl keine allgemeingültige Lösung was dieses Thema angeht. Aber das einzige was zählt ist, wie es Eurem Hund geht. Ich halte nichts von den Theorien, dass es am besten sei, den Hund vor einem gewissen Alter zu kastrieren, genauso wenig wie ich Menschen verstehe, die ihren Hund unter keinen Umständen kastrieren lassen wollen, auch wenn dieser Augenscheinlich unter großem hormonellen Stress steht. Beobachtet Euren Hund einfach. Er wird Euch „sagen“, was die richtige Entscheidung ist. Mit einem Chip könnt ihr Euch und Eurem Hund dann, Gesetz des Falles, eine erste „Testphase“ gönnen.

Eventuell konnten wir dem ein oder anderen etwas helfen.

Euer Schmiddi & Nicole

 

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Nicole & Mops Schmidt “Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos”. Ich kann mir ein Leben ohne meinen Schmiddi in der Tat nicht mehr vorstellen. Für mich ist er etwas ganz Besonderes. Er ist smart, verspielt, verschmust aber irgendwie ständig auf Vollgas. Mein kleiner Kumpel, immer an meiner Seite und immer für mich da.

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