Fellpflege: So überwindet Dein Hund die Angst vor dem Bürsten

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Der Sommer geht und die herbstlichen Tage mit Wind, Regen und buntem Blätterlaub stehen kurz vor der Türe. Für Hunde ist das eine beliebte Jahreszeit, um in Wäldern und über Wiesen zu toben oder durch Regenpfützen zu jagen – und das bei Temperaturen, die Deinen Vierbeiner so richtig aufleben lassen. Doch gerade im Herbst werden wir Hundebesitzer vor einige Herausforderungen gestellt. Denn mit der nassen Jahreszeit kommt auch mehr Fellpflege auf uns zu – häufiges Kämmen und Bürsten inklusive. Doch was ist, wenn Dein Hund Angst vor dem Bürsten hat und mit den Zähnen fletscht, sobald Du die Bürste in die Hand nimmst?

Kämmen und Bürsten – das A und O in der Fellpflege

Regelmäßiges Bürsten ist bei der Fellpflege Pflicht. Denn ein gepflegtes Fell ist nicht nur eine Frage von schönem Aussehen, sondern tut der Gesundheit des Hundes gut, zum Beispiel der Durchblutung der Haut, die durch das Kämmen angeregt wird.

Wie oft oder auf welche Weise ein Hund gekämmt werden muss, lässt sich nicht pauschal beantworten, sondern kommt auf die jeweilige Hunderasse an. Langhaarige Hunde wie der Collie, Malteser oder Neufundländer zum Beispiel neigen gerne zu Verfilzungen. Und die sind ein gefundenes Fressen für Parasiten, die sich gerne in den kleinen Knötchen niederlassen und Ursache für Krankheiten sein können. Hier hilft tägliches Kämmen und Bürsten, diese Knoten sanft zu lösen. Fellbüschel, die über Ohren, Augen oder Nase hängen, gehören dabei eher geschoren, da sie die Sinne des Hundes beeinträchtigen. Vor allem zum Fellwechsel im Frühjahr und Herbst haaren die Vierbeiner mit dichter Unterwolle extrem. Dann helfen spezielle Kämme, das Fell sanft von der losen Unterwolle zu befreien, ohne dass Haut oder Deckhaar verletzt werden. Etwas einfacher haben es kurz- oder stockhaarige Hunde. Sie müssen seltener gebürstet werden.

Übrigens: Hundehaare fallen nicht automatisch ab, sondern werden mit der Zeit nur locker. Deswegen schütteln sich Hunde des Öfteren oder reiben sich an Wänden, auf dem Teppich oder am Sofa.

Dem Hund das Bürsten beibringen – nur nicht mit Gewalt oder Hektik!

Hund lieben es nicht automatisch, gekämmt und gebürstet zu werden. Ganz im Gegenteil! Wurde der Hund nicht schon als Welpe daran gewöhnt oder hat ein Vorbesitzer die Fellpflege seines Hundes nicht ernst genommen, können sie ängstlich oder aggressiv auf das Kämmen reagieren. Die Gründe könnten allerdings vielfältig sein. Stellen wir uns folgende Situation vor, die jedem von uns passieren könnte: Der Hund muss gekämmt werden, doch eigentlich haben wir mal wieder keine Zeit. Also schnappen wir uns Kamm und Bürste, rufen unseren Hund heran und bürsten ihn relativ schnell und mit einiger Hektik. Der Hund merkt sofort die Anspannung und will sich zurückziehen. Doch wir halten ihn fest und bürsten unsanft das Fell ab. Mögliche Verletzungen in der sensiblen Haut drohen. Und ehe wir uns versehen, nimmt unser Vierbeiner beim nächsten Mal schon Reißaus, wenn er die Bürste nur sieht oder beginnt zu knurren. Auch Tierheim-Hunde reagieren am Anfang mitunter hektisch.

Egal, wieso ein Hund aggressiv auf das Kämmen reagiert. Es gibt einige Tipps und Tricks, mit denen wir Abhilfe schaffen können. Doch das geht nur mit viel Zeit und Geduld.

wie bringe ich dem Hund das Bürsten bei

Nach der Ursache suchen

Hast Du eine Idee, wieso Dein Vierbeiner Angst vor der Bürste oder dem Kamm hat? Falls nicht, solltest Du bei dieser Frage beginnen. Manchmal liegt in der Ursache bereits ein Teil der Lösung. Weil jede Hunderasse ein anderes Fell hat, sind die Anforderungen an die Utensilien wie Kämme, Bürsten, Massage-Handschuhe oder Scheren ganz unterschiedlich. Liegt es möglicherweise an der Bürste selbst, weil sie zu hart ist? Oder verwendest Du einen Kamm, der für die Hunderasse nicht optimal ist? Schon das kann zu Sensibilitätsstörungen auf der Haut führen. Auch bei Mischlingen ist nicht immer auf Anhieb erkennbar, welche Bürste wir benötigen. Dann empfehlen wir, sich Rat bei einem Tierarzt oder im Fachhandel zu holen. Die begutachten Fell mit Unterwolle und geben Tipps.

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Vielleicht liegt die Ursache aber auch in Deiner eigenen Angst? Wenn Du unsicher bist, wie Du Deine Fellnase richtig bürsten sollst, überträgt sich diese Angst auf Deinen sensiblen Hund. Er spürt nämlich ganz genau, dass Du Angst hast. Dabei solltest Du doch eigentlich der Chef sein und vorgeben, wo es langgeht. Zum Schluss habt Ihr beide Angst und ein Teufelskreis entsteht. Dann sind Entspannung und Ruhe der Weg zum Ziel.

Den Hund nicht zwingen!

Wenn Dein Vierbeiner mit knurren auf Dich und Deine Bürste reagiert, fühlt er sich unter Druck. Und den müssen wir ihm nehmen. Denn mit Zwang schaffen wir eine Situation, die niemals gut für Dich oder Deinen Hund ist. Der Vierbeiner muss (wieder) lernen, dass Bürsten nichts Schlimmes ist, sondern ihm gut tut. Und das geht nur mit bewusster Annäherung, viel Zeit und noch mehr Geduld.

Eine entspannte Umgebung schaffen

Hunde mögen in aller Regel keine Hektik und großeUnruhe. Und genau davon sollten wir Menschen lernen. Um Deinen Hund zu kämmen, solltest Du Zeit haben. Plane in Deinen Tagesablauf bewusste Zeit zum Kämmen ein und suche Dir einen festen Ort für Dich und Deinen Hund. So weiß er nach einer gewissen Zeit: Jetzt werde ich gekämmt! Das gibt ihm und Dir Struktur und Sicherheit. Beispiel: Kämme ihn immer vor dem Fressen am Abend. So weiß Dein Hund, dass nach der Arbeit eine große Portion Belohnung kommt. Mit der Zeit wird er seine Angst verlieren.

Schritt für Schritt zum Kämmen

Hat Dein Vierbeiner bereits Angst vor dem Kämmen und reagiert aggressiv, musst Du Dich Schritt für Schritt annähern.

  • Beginne damit, dich ohne Bürste neben Deinen Hund auf das Sofa zu setzen, wenn er ganz entspannt ist, und streichele ihn.
  • Beim nächsten Mal nutzt Du eine solche Situation und setzt dich mit Hundebürste in der Hand neben ihn. Wieder streichelst Du ihn, ohne dabei die Bürste zu verwenden. Sie sollte nur ganz ruhig zum Beispiel auf Deinen Knien liegen. Bleibt der Hund liegen, belohne ihn mit einem Leckerchen. Springt er hektisch auf und läuft weg, versuche es beim nächsten Mal wieder. Irgendwann kommt der Moment, wo Dein Hund bemerkt, dass auch mit der Bürste in der Hand nichts passiert. Leckerchen nicht vergessen, damit sich mit der Bürste etwas Positives beim Hund verbindet.
  • Ist der Schritt geschafft, versuche die Annäherung der Bürste mit dem Hund. Wieder sitzt Du neben ihm auf dem Sofa. Du könntest Deinen Hund zum Beispiel an der Bürste schnuppern lassen oder eine Belohnung auf die Bürste legen. Bleibe dabei ganz entspannt. Denn Deine Ruhe überträgt sich auf Deine Fellnase. Vielleicht lässt Du Kamm und Bürste auch einfach irgendwo auf dem Boden liegen. Dann hat er Zeit, in einem unauffälligen Moment daran zu schnüffeln.
  • Die Hürde ist geschafft? Dann könntest Du versuchen, den Rücken Deines Hundes mit einer sehr weichen Bürste oder einem Massage-Handschuh zu streicheln. Aber Achtung: Kopf, Ohren und Pfoten der Hunde sind sehr empfindlich. Verzichte darauf zunächst und bürste ihn an Stellen, die ihm nichts ausmachen. Wieder darfst Du ihn mit Leckerli belohnen.
  • Wenn das alles geklappt hat, kannst Du im Laufe der Zeit auf die richtige Bürste oder den Kamm umsteigen. Am besten beginnst Du beim Hals und arbeitest dich dann zum Rücken vor. Den Schwanz nicht vergessen. Wichtig: Lange Bewegungen mit der Bürste sind besser als immer wieder über die gleiche Stelle kurz mit der Bürste zu fahren. Sei beim Bürsten sanft, aber durchaus liebevoll konsequent. Will Dein Hund zum Beispiel nicht seinen Kopf liegen lassen, drücke ihn sanft zurück auf den Boden. Steht er lieber, solltest Du darauf achten, dass er nicht fortläuft, sondern ihn mit sanftem Druck in der Position halten.
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Hört sich einfach an? Nun, das A und O ist, dass der Hund und nicht Du die Grenze vorgibt. Wenn Du auf seine Signale achtest, braucht es mitunter viel Zeit, bis Du ihn an die Bürste gewöhnt hast. Sieh die Zeit nicht als verlorene Zeit, sondern bewusste Zweisamkeit zwischen Dir und Deinem Vierbeiner, die eure Freundschaft verstärkt.

Sorge für eine beruhigte Geräuschkulisse

Das TV-Gerät oder das Radio läuft in voller Lautstärke? Oder Deine Kinder haben Freunde mit nach Hause gebracht, die laut durch das Haus poltern? Dann ist jetzt kaum der richtige Zeitpunkt, um Deinen sowieso ängstlichen oder aggressiven Hund auf das Bürsten vorzubereiten. Denn so kann sich der Hund nicht entspannen. Suche Dir einen Moment, in dem es ruhiger ist.

Auf Augenhöhe mit dem Hund

Mensch und Hund

Manche Hunde mögen es nicht so gerne, wenn sich der Hundebesitzer beim Kämmen ihm von oben nähert, denn sie könnten dies als Bedrohung wahrnehmen. In dem Fall sollten wir versuchen, mit dem Hund auf Augenhöhe zu gehen. Kleine Hunde lassen sich mitunter auf den Tisch stellen. Falls Hunde das nicht mögen oder zu groß sind, können wir auf die Knie gehen, um sie zu kämmen.

Im Welpenalter beginnen

Häufig sind Probleme bei der Fellpflege darin begründet, dass versäumt wurde, einen Hund im Welpenalter zu kämmen. Doch gerade dann kann mit in mit viel Liebe am einfachsten daran gewöhnen. Denn er verbindet weder etwas Positives noch Negatives mit der Bürste.

Im Zweifel zum Tiersalon

Gerade langhaarige Hunde brauchen viel Fellpflege. Während bei Kurzhaar-Hunden wöchentliches Abbürsten ausreicht, verfilzen die wachsenden Haare gerade langhaariger Hunde schnell und lassen sich schlecht oder nur unter Schmerzen entwirren. Dazu müssen sie regelmäßig geschoren und getrimmt werden. Hier macht der Gang zum Tiersalon Sinn. Die Fachleute haben mehr Erfahrung in der Fellpflege, geeignetes Zubehör zum Entfilzen und können Dir Tipps und Tricks geben, was Du zu Hause alles machen kannst. Übrigens: Manche Tierfriseure kommen sogar nach Hause, was es für Deinen Hund noch entspannter macht.

 

Schnee und Hundepflege

Wichtige Utensilien im Überblick

  • Rückfettendes Hundeshampoo
  • Hundeschere
  • Massagebürste oder Fellhandschuh
  • Kamm (antistatisch)
  • Drahtbürste (muss zur Rasse und Größe passen)
  • Naturhaarbürste
  • Zupfbürste
  • Trimmesser

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Sam und ich sind seit mittlerweile drei Jahren ein festes Team. Zum ersten Mal haben wir uns in einem örtlichen Tierheim getroffen, das ich immer mal wieder besuchte, um dort mit Hunden spazieren zu gehen. Nach einer Runde durch die Wiesen und Wälder war es um uns beide geschehen und wir konnten nicht mehr ohne einander. Seitdem lebt Sam, ein Labradormischling und 10 Jahre alt, bei uns: Immer auf der Suche nach jemanden, der ihm zu essen gibt. Immer auf der Suche nach einem Fußball, den er mit seinen Zähnen bearbeiten könnte. Immer auf der Suche nach Stöckchen, die er aus dem Wald mit nach Haus bringen könnte. Übrigens: Wenn Ihr sehen möchtet, wie Sam so lebt, besucht doch einfach mal seinen Instagram-Account unter @SamOrlik! Wir freuen uns über Besucher.

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