🐕 Eichenprozessionsspinner – Gefahr fĂŒr den Hund ❗

Wenn wir im Sommer mit unserem Hund durch die Gegend streifen denken wir an nichts Böses. Wir wollen einfach nur Spaß haben und uns freuen, dass der andere da ist. Und doch lauert unterwegs einiges an Gefahren. Eine davon ist der Eichenprozessionsspinner. Und es ist gut zu wissen, was einen da erwarten kann.

Eichenprozessionsspinner – Gefahr fĂŒr den Hund und den Mensch

Der Eichenprozessionsspinner wĂ€re eigentlich ein ganz harmloses Tierchen, wĂ€ren da nicht die Brennhaare, in die sich die Raupen hĂŒllen und die ein sehr potentes Nesselgift enthalten, das den Tieren zur Feindabwehr dient und bei den Feinden zumindest eine unangenehme Raupendermatitis auslöst. Dabei ist es egal, welcher Spezies man angehört. Der Eichenprozessionsspinner möchte nĂ€mlich von niemandem gefressen werden.
Die Gefahr besteht leider nicht nur bei direktem Kontakt, wenn die Raupen ihre Brennhaare aktiv abschießen. Die Brennhaare werden auch vom Wind ĂŒber weite Strecken verteilt und bleiben noch gefĂ€hrlich, wenn der Falter lĂ€ngst das Zeitliche gesegnet hat.

Eichenprozessionsspinner – Lebensgefahr fĂŒr den Hund

ZunĂ€chst meint man, Hunde wĂ€ren durch ihr Fell vor den Attacken der Raupen geschĂŒtzt. Das stimmt, aber wenn die Fellnase auf die Idee kommt, die Brennhaare aus dem Fell zu schlecken oder direkt eine Raupe beschnĂŒffelt oder gar aufnimmt, schlĂ€gt die Giftkraft mit voller Wucht zu. Dann trifft es vor allem die SchleimhĂ€ute und Zunge und die sind besonders empfindlich.

Was ist ein Eichenprozessionsspinner – wie sieht die Raupe aus ?

Der Eichenprozessionsspinner ist ein unscheinbarer, graubrauner Nachtfalter. FĂŒr einen Nachtfalter ist er mit 2,4 – 3,4 cm FlĂŒgelspannweite erstaunlich groß. Aber da er als nachtaktiver Schmetterling im Dunkeln unterwegs ist, bekommen wir ihn, zumindest im Erwachsenenstadium, selten zu Gesicht.
Die Raupen tragen auf den RĂŒcken einen dunklen Streifen aus samtartig behaarten Segmenten, der von winzigen rotbraunen Warzen gesĂ€umt ist, die lange Haare tragen. Die Raupen sind in jedem Entwicklungsstadium dicht behaart. Oft erkennt man sie auch an ihrer Art sich fortzubewegen, nĂ€mlich in Kolonnen. Die Raupen bauen auch große, auffĂ€llige Nester am Stamm oder in Astgabeln. Dorthin ziehen sie sich tagsĂŒber und zur HĂ€utung zurĂŒck.
Ab dem dritten Larvenstadium entwickeln sich Brennhaare mit Widerhaken, die das gefĂŒrchtete  Nesselgift enthalten.

Der Lebenszyklus des Eichenprozessionsspinners

Die Falter schwĂ€rmen im Juli und August, teilweise auch bis in den September. Die Weibchen legen dann bis zu 200 Eier an jungen Zweigen im oberen Kronenbereich der BĂ€ume ab. Schon im Herbst entwickeln sich Jungraupen, die in der EihĂŒlle ĂŒberwintern und dann im Mai und April schlĂŒpfen.
Die Raupen wandern dann in den fĂŒr sie typischen Prozessionen, die der Art ihren Namen verliehen haben, vom Nest zu den jungen grĂŒnen BlĂ€ttern, an denen sie sich abends vollfressen. Eine solche Prozession kann bis zu zehn Meter lang sein. Es wandern auch Raupen nebeneinander.
Insgesamt durchlaufen die Raupen sechs Entwicklungsstadien. Kurz vor der Verpuppung zum Ende des letzten Larvenstadiums erreichen die Raupen eine LĂ€nge von bis zu vier Zentimeter. In der zweiten JunihĂ€lfte verpuppen sie sich und schlĂŒpfen nach drei bis fĂŒnf Wochen Puppenruhe.

Wo tritt der Eichenprozessionsspinner auf ?

Der Eichen-Prozessionsspinner ist ein Insekt, das im offenen Land lebt. Er bevorzugt warme, trockene Regionen. Er befĂ€llt in erster Linie alle Arten von Eichen und bevorzugt Ă€ltere, einzeln stehende BĂ€ume, lichte WĂ€lder oder am Waldrand stehende BĂ€ume. Am Waldrand lĂ€sst er sich gerne an der sonnigen SĂŒdseite nieder. Wenn es in trockenen Jahren zu Massenvermehrungen kommt ist, er nicht mehr so wĂ€hlerisch und nimmt auch jĂŒngere BĂ€ume, besiedelt dichteres Waldgebiet oder weicht auf andere Arten, etwa die Hainbuche aus.
Der Eichenprozessionsspinner ist eine einheimische Art, die in unseren Breiten seit knapp zweihundert Jahren vorkommt. Über ein Jahrhundert wurde er kaum gesichtet, seit er Jahrtausendwende kommt er wieder hĂ€ufiger vor. Dazu kommt, dass sich Unterarten aus dem Mittelmeerraum vermehrt in unseren Breiten ansiedeln.

Was ist so gefĂ€hrlich am Eichenprozessionsspinner fĂŒr den Hund ?

Der Eichenprozessionsspinner ist wegen der Brennhaare seiner Raupen so gefĂŒrchtet. Die Raupe kann die Brennhaare bei Gefahr abschießen um Fressfeinde abzuwehren. Bis zu drei Meter weit kann so ein Nesselhaar fliegen und setzt sich dann mit seinen Widerhaken in der Haut oder dem Fell seines Opfers fest. Die HĂ€rchen enthalten einen Cocktail aus verschiedenen Nesselgiften, allen voran Thaumetopoein. Thaumetopoein ist ein Protein, das die Freisetzung von Histamin veranlasst und dadurch allergische und neurotoxische Reaktionen auslöst.
ZunÀchst erfolgt die Reaktion nur örtlich mit Brennen, Juckreiz, Rötungen und Quaddeln. Aber je nach individueller Verfassung des Hundes, kann auch der gesamte Organismus betroffen sein. Das hÀngt zum einen von der Dosis und zum anderen der StÀrke der Immunreaktion ab.
Oft kommend die herumfliegenden Nesselhaare auch mit SchleimhĂ€uten in Kontakt. Und auch dort können sie heftige allergische Reaktionen und EntzĂŒndungen hervorrufen.
Die Gefahr durch den Eichen-Prozessionsspinner besteht eigentlich immer und ĂŒberall, denn die Brennhaare werden nicht nur zur Feindabwehr abgeschossen sondern lösen sich auch leicht von der OberflĂ€che und werden vom Wind ĂŒber mehrere hundert Meter transportiert. Und als wĂ€re das alleine noch nicht fies genug, bleiben die Brennhaare an den von den Raupen abgelegten HĂ€uten noch lange aktiv.

Ist der Eichenprozessionsspinner auch im Winter eine Gefahr fĂŒr den Hund?

Eichen-Prozessionsspinner haben im FrĂŒhling und Sommer Hochsaison. Man darf aber nicht glauben, dass nach dem SchwĂ€rmern der Falter die Luft wieder rein ist. Die Brennhaare bleiben auch nach dem HĂ€uten noch gefĂ€hrlich. Die abgelegten HĂ€ute befinden sich oft in den Nestern, die den Raupen wĂ€hrend ihrer Entwicklung als Zuflucht dienten.
Durch KĂ€lte und NĂ€sse zerfallen die Nester und stĂŒrzen auf den Boden. Dann sind sie nur noch schwer zu erkennen. In der NĂ€he von Eichen sollte man also besser das ganze Jahr ĂŒber vorsichtig sein.

Wie kommen Hunde mit dem Eichenprozessionsspinner in Kontakt?

Das Fell schĂŒtzt Hunde zunĂ€chst vor den Symptomen auf der Haut. Durch die Art und Weise wie sie sich fortbewegen, mit dem Kopf dicht am Boden, neugierig schnuppernd und stöbernd, laufen sie aber Gefahr, mit Mund, Nase und Augen in Kontakt mit den Nesselhaaren zu kommen. Die BindehĂ€ute der Augen und SchleimhĂ€ute im Mund- und Rachenraum sind daher die Hauptangriffspunkte der Gifte und die Symptome viel schwerwiegender.

Was passiert wenn mein Hund mit den Brennhaaren des Eichenprozessionsspinner in Kontakt kommt?

Je nachdem, was der Hund mit der Raupe des Eichenprozessionsspinners angestellt hat, erwarten ihn unterschiedliche Probleme. Wenn er daran geschnuppert hat, können die Atemwege als Reaktion auf das Gift lebensbedrohlich anschwellen. Auch die BindehĂ€ute der Augen reagieren mit heftigen, entzĂŒndlichen Reaktionen. An allen  SchleimhĂ€uten des Körpers können allergische Reaktionen auftreten.
Kontakte mit der Haut fĂŒhren meist zu Juckreiz, Rötungen, Quaddeln oder Knötchen oder EiterblĂ€schen.
Wenn die Brennhaare aber eingeatmet werden können sie die Mund- und Nasenschleimhaut reizen und zu Schwindel, Fieber, Erbrechen, Mattheit, Augenreizungen und geschwollenen Lidern fĂŒhren.

Mein Hund hat einen Eichenprozessionsspinner gefressen – was tun?

Wenn ein Hund eine Raupe sogar verschluckt, kann das zu starken EntzĂŒndungen und VerĂ€tzungen im Rachenraum und auf der Zunge fĂŒhren. Zwangsweise ist es auch zu einem intensiven Kontakt zwischen den Brennhaaren und der Schleimhaut der Speiseröhre gekommen, was Schwellungen und entzĂŒndliche Reaktionen nach sich ziehen kann. Im Magen droht dann auch noch eine MagenschleimhautentzĂŒndung durch das Nesselgift.
Erste Hilfe in diesem Fall wÀre :

  • den Hund nicht zum Erbrechen bringen
  • sofort zum Tierarzt
  • nehmt eine Begleitperson mit, die unterwegs dafĂŒr sorgen kann, dass die Atemwege frei bleiben

Eichenprozessionsspinner – Symptome beim Hund

  • Die Bandbreite der Symptome, die ein Hund nach Kontakt mit einem Eichenprozessionsspinner zeigt, ist sehr groß. Von ein paar lokal begrenzten Pusteln bis zum anaphylaktischen Schock ist alles möglich.
    Hunde zeigen oft eine typische allergische Reaktion der Haut im Kopfbereich, vor allem dort, wo das schĂŒtzende Fell fehlt oder nur sehr dĂŒnn ist.
  • Besonders um Augen und Schnauze und auf dem NasenrĂŒcken schwillt das Gewebe der Haut massiv – und auch sehr schnell – an.
  • Der Kontakt des Giftes mit den BindehĂ€uten resultiert typischerweise in einer stark juckenden BindehautentzĂŒndung.
  • Durch Ablecken oder Einatmen gelangen die Raupenhaare in die Atemwege und die Speiseröhre, wo sie heftige, allergische und entzĂŒndliche Reaktionen auslösen können. Schwellungen der Zunge und im Rachenbereich können können lebensbedrohliche Ausmaße annehmen. Unter UmstĂ€nden bleiben massive SchĂ€den an der Zunge oder Mundschleimhaut zurĂŒck.
  • In den Atemwegen können die Brennhaare schweres Asthma oder Bronchitis auslösen.
  • Begleitet wird das Ganze oft von systemischen Symptomen wie Fieber, Erbrechen und Lethargie.
  • Auch heftiges Speicheln nach dem Spaziergang ist ein Indiz fĂŒr einen Kontakt mit dem Eichenprozessionsspinner.

Erste Hilfe beim Kontakt mit dem Eichenprozessionsspinner fĂŒr den Hund

Die giftigen Raupenhaare mĂŒssen so schnell wie möglich und nahezu vollstĂ€ndig entfernt werden. Verschiedene Tricks helfen, das Fell zu reinigen:

  • Das Fell grĂŒndlich mit warmem Wasser ausspĂŒlen
  • vorsichtig mit dem Staubsauger die Haare aufsaugen
  • versuchen, die Haare mit einem Klebeband aufzunehmen

â„č Dabei bitte zum Schutz der eigenen Gesundheit Handschuhe und Mundschutz tragen.

  • Schwellungen im Hals und Rachen mĂŒssen von außen mit Eis gekĂŒhlt werden. Dazu viel frisches, kaltes Wasser anbieten, fĂŒr ausreichend Luftzufuhr achten und den Hund sonst nicht bedrĂ€ngen.
  • Wenn der Hund deutliche Anzeichen von Unwohlsein zeigt, sollte man mit dem Besuch beim Tierarzt nicht zögern. Dort wird der Hund eventuell eine Kortisonbehandlung oder Infusionstherapie erhalten.

Behandlung und Therapie

Im Anschluss an Erste Hilfe Maßnahmen muss der Hund auf jeden Fall genau beobachtet werden, ob sich irgendwelche Anzeichen von Krankheit, wie Fieber, starker Speichelfluss, Unruhe, oder irgendetwas Ungewöhnliches zeigt. Dann ist ein Besuch beim Tierarzt nicht zu vermeiden.
In sehr schlimmen FĂ€llen sollte man unverzĂŒglich einen Arzt aufsuchen. Neben der Medikation mit Kortison sind oft Maßnahmen nötig, die ohne Narkose zu Hause unmöglich sind, zum Beispiel das grĂŒndliche AusspĂŒlen das Rachenraumes.

Wie sieht der Ausschlag beim Hund nach dem Kontakt mit dem Eichenprozessionsspinner aus ?

Eine typische Raupendermatitis bekommt der Hund nur an Stellen, an denen das Fell nicht genĂŒgend Schutz bietet: Am Kopf, um die Augen, an der Schnauze. Das Gewebe schwillt an, es bilden sich Pusteln, die blutgefĂŒllt sein können, eventuell fallen die Haare aus. Nach ein paar Tagen klingt die EntzĂŒndung ab und hinterlĂ€sst eine kahle Stelle.

Kann die Zunge beim Kontakt mit dem Eichenprozessionsspinner absterben ?

Die Zunge ist ein von Schleimhaut ĂŒberzogener Muskel und SchleimhĂ€ute sind durch den Eichenprozessionsspinner besonders gefĂ€hrdet. Das Nesselgift kann auf der Schleimhaut schwere SchĂ€den anrichten, unter UmstĂ€nden muss abgestorbenes Geweben entfernt werden. Auch Teilamputationen sind nicht ausgeschlossen.

Werden die Augen beim Kontakt mit dem Eichenprozessionsspinners gereizt?

Kommen die BindehĂ€ute der Augen, die nichts anderes als eine Schleimhaut sind, mit dem Eichenprozessionsspinner in Kontakt, zieht das eine BindehautentzĂŒndung, mit geröteten Augen, Juckreiz und geschwollenen Lidern nach sich. Besonders schlimm wird es, wenn man den Hund nicht rechtzeitig daran hindert, dem Juckreiz nachzugeben und sich ausgiebig zu kratzen. Dann kann es noch zu weiteren Infektionen der verletzten Hautpartien kommen.

Was passiert beim Kontakt des Eichenprozessionsspinners mit den Pfoten des Hundes?

Die Pfoten stellen durchaus eine potentielle Kontaktstelle mit dem Nesselgift dar. Die Brennhaare verfĂŒgen ĂŒber Widerhaken, mit denen sie sich zunĂ€chst mechanisch am bzw. im Gewebe festsetzen. Bei kleinsten Verletzungen an den Pfoten, die Hunde wohl öfter mal haben, kann es passieren, dass das Gift in den Körper gelangt. Solche  Verletzungen sieht man mit dem bloßen Auge nicht, man bemerkt sie aber wenn Hundepfoten im Winter mit Streusalz Kontakt haben. Das brennt.

Kann die Nase vom Hund durch den Kontakt mit dem Eichenprozessionsspinner verÀtzt werden?

Wenn die Brennhaare in die Nase gelangen, schwillt das Gewebe an. Es kann zu schweren entzĂŒndlichen Reaktionen der SchleimhĂ€ute kommen, die bis zum Ersticken fĂŒhren können.

Fazit !

Ganz vermeiden kann man die Gefahr, die vom Eichenprozessionsspinner ausgeht, nicht. Aber wenn  man zumindest weiß, wo sie lauert, kann man ihr aus dem Weg gehen. Und wenn man weiß, was zu tun ist, wenn das nicht geklappt hat, kann man das Schlimmste immer noch verhindern.

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Evelyn

Nach einem Biologiestudium und einigen Jahren in der mikrobiologischen Forschung kam der Wendepunkt in meinem Leben. Nun lebe ich in einer Schlucht im Fichtelgebirge in einem seltsamen Mix aus Steinzeit und 21tem Jahrundert. Seit acht Jahren begeleitet mich eine zauberhafte Hundsperson: Klug, nett, einfĂŒhlsam, und so pflichtbewußt, dass sogar seine besten Freunde mit einem WĂŒrstchen in der Hand vor der TĂŒr vergebens um Einlass bitten. Reinkommen geht gar nicht. Drin sein ist dagegen kein Problem. Ich liebe Hundelogik.

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