Die verschiedenen Modelle der Rohfütterung- „BARF“, „Prey Model Raw“ und „Raw and meaty Bones“ im Vergleich

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Die Rohfütterung von Hunden wird zunehmend beliebter, was nicht verwunderlich ist, denn sie bietet nicht abzustreitende Vorteile, auch wenn sie vergleichsweise aufwändiger ist. Doch auch bei der Rohfütterung gibt es verschiedene Modelle, welche wir in diesem Artikel gerne vorstellen möchten.

Warum ist es überhaupt sinnvoll den Hund roh zu füttern?

Auch wenn sich die einzelnen Konzepte der Rohfütterung unterscheiden- eines haben sie alle gemeinsam: Ihr Hauptbeststandteil besteht aus rohem Fleisch. Aufgrund der Abstammung des Hundes ist es unbestreitbar, dass dieser zu den Carnivoren (also Fleischfressern) gehört.  Mitte des letzten Jahrhunderts etablierte sich die Fütterung mit Fertigfutter, welches häufig unerwünschte Nebenbestandteile oder zum Teil auch Hauptbestandteile wie Getreide, Konservierungsstoffe, künstliche Zusatzstoffe, Farb- und Geschmacksverstärker und weiteres enthalten kann. Auch wenn Futtermittelhersteller nur mit besten Zutaten werben, so bleibt das Futter erhitzt und denaturiert. Bei der Rohfütterung landet jedoch nur das im Napf, was vorher ausgewählt wird.  Eine Minderheit der Hundebesitzer kocht für ihren Schützling, doch das ist eigentlich gar nicht notwendig, denn trotz Domestikation ist der Hund durchaus in der Lage rohe tierische und auch teilweise pflanzliche Bestandteile bestens zu verwerten. Durch die Rohfütterung kann sich optimal auf die individuellen Bedürfnisse eines Hundes eingestellt werden, auch wenn z.B. Krankheiten oder Allergien vorliegen. Nicht zu verachten ist außerdem die deutlich höhere Verwertbarkeit des Futters, da die Zutaten einfach hochwertiger sind- das hat eine verminderte Kotmenge zur Folge.

 

Die Konzepte der Rohfütterung für den Hund

BARF – Die bekannteste Methode der Rohfütterung für den Hund

Das sogenannte „BARF“ ist die wohl bisher bekannteste Methode der Rohfütterung. Ursprünglich steht die Abkürzung für „Bones and raw food“, im Deutschen steht sie allerdings eher für „Biologisch artgerechtes rohes Futter“. Als Basis des Barfens dienen rohes Fleisch, rohe Knochen, Innereien, Pansen und Blättermagen, Fette, Öle, Obst und Gemüse. Als Ergänzung werden z.B. Kräuter, Salz oder Seealgen gefüttert. Verschiedene Pläne enthalten auch Fisch, Eier, teilweise Milchprodukte oder Kartoffeln, Getreide wird meistens vermieden. Beim BARF-Konzept wird versucht, eine möglichst natürliche Ernährung, anhand des nicht domestizierten Verwandten des Hundes nachzuahmen- diese aber aus ernährungstechnischer Sicht mit zusätzlichen Erkenntnissen zu optimieren. Was ist damit gemeint? Leider ist es in der Realität nicht so, dass Wölfe stets wohlgenährt und gesund durch ihren Lebensraum streifen. Tatsächlich zeigen sie teilweise Mangelerscheinungen und die Zusammensetzung eines Beutetieres weicht beim Innereien- und Knochenanteil teilweise vom Ernährungskonzept des Barfens ab. Wölfe fressen außerdem den Mageninhalt ihrer Beute nicht mit, obwohl die enthaltenen Ballaststoffe nicht unnütz wären. Im Gegensatz zum Wolf ist der Hund in der Lage, partiell Getreide zu verdauen und zu verwerten, dieses ist also kein Grund warum es im BARF nicht mehr zu finden ist. Getreide steht vielmehr in Verdacht Allergien auszulösen, es bietet außerdem einen Nährboden für unerwünschte Darmbewohner wie z.B. Giardien.

Eine typische Barfration enthält 70-80 % tierischen Anteil und 20-30 % pflanzlichen Anteil. 10-15 % der Ration sollten fleischige Knochen darstellen und weitere 10-15 % der Gesamtfleischration Innereien. Die pflanzliche Ration besteht aus 70 % Gemüse und 30 % Obst. Es ist nicht notwendig, jede Mahlzeit vollkommen ausgewogen zu gestalten, wichtiger ist es, dass der Bedarf über einen Zeitraum von ca. vier Wochen gedeckt wird. Falls untypischerweise Getreide oder Kartoffeln in den Plan aufgenommen werden, verschieben sich die prozentualen Anteile natürlich. Typischerweise wird beim BARF außerdem einmal oder mehrmals wöchentlich Pansen und Blättermagen von Rindern oder anderen Tieren, wie Schafen verfüttert. Zu einer vollständigen Barfmahlzeit gehören außerdem Öle (bevorzugt Lachsöl), Jodergänzungen wie Seealgen, Fisch und Eier. Natürlich gibt es viele weitere ergänzende Futtermittel, welche variabel eingesetzt werden. Ein ausgewogener Barfplan sorgt für eine ausreichende Versorgung mit allen nötigen Nährstoffen (wie z.B. Eiweiß, Calcium, Kupfer, Zink, Jod, Vitamin A, Vitamin D, Vitamin B und Linolsäure), bei vielen ist der Bedarf eines Hundes wesentlich höher als der des Menschen. Fleisch ist beim BARF-Konzept der wichtigste Bestandteil, denn es ist fast zu 100 % verdaulich und enthält hochwertiges Eiweiß, sowie Phosphor und Eisen. Das Fleisch sollte ausreichend (mindestens 15 %) Fett enthalten um den Hund mit Energie zu versorgen. Fleischige Knochen sorgen für einen ausreichenden Calciumbedarf. Pansen hat im Vergleich zu Fleisch eher einen geringen Eiweißanteil und ist aufgrund des Bindegewebes schlechter verdaulich, aufgrund des pflanzlichen Anteils enthält er allerdings Ballaststoffe und B-Vitamine. Leber und Nieren sind hoch nährstoffreich, vor allem Leber hat enorm viele Spurenelemente und Vitamine, wie Vitamin A und D, Eisen und Kupfer. Obst und Gemüse sind wichtig für die Vitaminversorgung und liefern wichtige Ballast- und Mineralstoffe. Eier sind ebenfalls ein zusätzliches Futtermittel, dabei aber besonders nährstoffreich- kein Wunder wenn man bedenkt, dass sie zur Versorgung des Kükens gedacht sind.

Zum Spezialartikel:   Öle und Fette beim Barfen für Hunde – Was darf gefüttert werden?

Raw and meaty Bones (RAMB) für den Hund

RAMB ist ein Konzept von Dr. Tom Lonsdale und präferiert die Fütterung von rohen, fleischigen Knochen. Hinzu kommen Rohfleisch, Innereien und Tischabfälle. Genau wie beim BARF wird auch die natürliche Nahrung des Wolfes und dessen Verwandten wie Dingos als Grundlage genommen. 70 % der Mahlzeit besteht dabei aus rohen, fleischigen Knochen, 20 % aus Innereien und 10 % aus Tischabfällen. Der hohe Anteil fleischiger Knochen wird mit Zahngesundheit und einem hohen Calciumbedarf begründet, so sollten Fleischfresser (Carnivora) z.B. auch lieber „Karkassenfresser“ heißen. Außerdem wird die frühere Nahrung zu Beginn der Domestikation, welche aus Fleischresten, Knochen und Nahrungsresten bestand als exzellent beschrieben, während heutige Ernährungskonzepte (von Fertigfutter) als überzogen dargestellt werden. Des weiteren wird das Wohlbefinden des Hundes durch das zeitintensive Abziehen des Fleisches vom Knochen und  die damit verbundene Stimulation des Gehirns (welches Hormone und Immunsystem anregt) gesteigert, sowie die Kiefermuskulatur gestärkt. Als sehr negativ wird die Gabe von Getreide durch Fertigfutter bewertet, wohingegen die gelegentliche Gabe von Nudeln zu dem Rohfleisch in Ordnung ist. Das Idealkonzept der Fütterung sind laut RAMB ganze Tierkörper, da die Natur jedoch nachsichtig ist und auch Wölfe nicht immer ein ganzes Tier verspeisen sind rohe, Fleischige Knochen und Tischabfälle eine gute Alternative. Das Fleisch und die Knochen sollten von verschiedenen Tieren stammen um eine ausgewogene Ernährung zu gewährleisten. Alle zwei Wochen sollte eine Lebermahlzeit eingeplant werden, alle weiteren Innereien, wie z.B. Milz, Pansen, Lunge, Niere können ebenfalls gefüttert werden. Besonders auf Pansen und Blättermagen wird ein besonderes Augenmerkt gelegt, auch diese können den größten Teil der Mahlzeit darstellen. Unter Tischabfällen werden Reste von Obst, Gemüse, Kartoffeln, Nudeln und allem verstanden, wovon der Hund profitieren könnte. Ergänzungen sind nicht vorgesehen.

Prey Model Raw für den Hund

Das Konzept des Prey Model Raw geht davon aus, dass ein Hund ein reiner Carnivor ist und damit keinen pflanzlichen Anteil in der Nahrung benötigt. Die Zusammensetzung der Nahrung besteht deshalb aus 80 % Fleisch, 10 % (reinen!) Knochen, 5 % Leber und 5% andere Innereien, wie Niere oder Milz. Der zehnprozentige Knochenanteil mit reinen Knochen meint natürlich nicht, dass die Knochen fleischlos gegeben werden, sondern einfach, dass die Berechnung eine andere ist, als bei fleischigen Knochen. Pansen gilt als minderwertig und wird im Normalfall nicht, oder nur sehr selten gegeben. Die Zusammensetzung des Futters entspricht den Verhältnissen eines großen Beutetieres, wie es der Wolf hauptsächlich verzehrt. Beim Prey Model werden außerdem gerne komplette Beutetiere verfüttert, oder es wird versucht die Bestandteile möglichst nah am Original „nachzubauen“. Das beinhaltet auch die Bestandteile möglichst an einem Stück zu verfüttern und nicht zu zerkleinern oder gar zu wolfen. Der Nahrung wird durch den verschobenen Omega-6 Gehalt von Masttieren im Vergleich zu Weidetieren, außerdem mit Fischöl angereichert. Der „Preyer“ legt sich dabei ausschließlich auf Fischöl fest, Pflanzenöle mit ebenfalls hohem Omega-3 Gehalt landen nicht im Hundenapf. Auch auf weitere Supplementierung, wie z.B. durch Seealgen für den Jodhaushalt oder Salz wird verzichtet, da dieses Konzept davon ausgeht, dass alle Nährstoffe bereits in den Tierbestandteilen vorhanden sind.

Fazit

Welches Fütterungskonzept nun „das Beste“ ist, lässt sich natürlich nicht beurteilen. Die Gemeinsamkeit zwischen allen drei Konzepten liegt in der Grundannahme, dass das ursprüngliche Futter der Vorfahren unserer Haushunde auch jetzt noch für sie noch am angemessensten ist. Die Interpretation der Wolfsnahrung ist jedoch sehr unterschiedlich. Der Wolf nimmt je nach Verbreitungsgebiet einen nicht unerheblichen Teil, bis hin zu einem sehr geringen Teil pflanzlicher Nahrung zu sich. Das BARF- Konzept sieht in diesem variierenden Anteil (auch im Rahmen der Nahrungsoptimierung) einen potenziellen Wert, betont allerdings, dass Gemüse aufgrund der nicht zersetzbaren Zellwände künstlich aufgespalten werden muss, was dem Wolf in der Natur eher schwer fallen dürfte. Das Raw and meaty Bones Konzept schreibt den Anteil von Obst und Gemüse den Tischabfällen zu und sieht ihn als optional an. Das Prey Model Raw Konzept schlägt einen Gegensatz ein und behauptet pflanzliche Nahrung sei komplett überflüssig und der Wolf nehme sie nur auf um in Perioden der Nahrungsknappheit seinen Magen zu füllen. Und was stimmt jetzt?

Zum Spezialartikel:   Dorschlebertran für den Hund - Dosierung, Wirkung und Erfahrungen

Der pflanzliche Anteil soll sekundäre Pflanzenstoffe, Ballaststoffe und Vitamine bringen. Belege das sekundäre Pflanzenstoffe wirklich gesundheitsförderlich sind gibt es leider nicht, Ballaststoffe vergrößern das Volumen des Speisebreis, was förderlich für den Magen- und Darmtrakt gilt, aber ebenfalls umstritten ist. Vitamine werden eher zu geringen Teilen geliefert, sind aber höchstwahrscheinlich auch ausreichend im fleischlichen Anteil vorhanden. Auch das Argument, dass Masttiere anders gefüttert werden als Weidetiere kommt oft zum Tragen, der pflanzliche Anteil soll die Differenzen ausgleichen.

Fakt ist also, ob man seinem Hund Obst und Gemüse mit ins Futter geben möchte, sollte man anhand dieser Argumente für sich selbst abwägen- über eines sind wir uns jedoch einig: auch wenn die Nützlichkeit umstritten bleibt, schädlich ist es nicht!

Auch die Zusammensetzung der tierischen Bestandteile unterscheidet sich zwischen den Modellen. Während das Konzept des RAMB sehr viel Wert auf fleischige Knochen legt, versucht Prey Model Raw den Knochenanteil an jenen von großen Beutetieren anzupassen, BARF präferiert einen etwas geringeren Anteil, als ihn Wölfe zu sich nehmen.

Die Zugabe von Supplementen ist vor allem beim BARF zu finden. Da beim BARF selten ganze Beutetiere verfüttert werden und somit auch keine Schilddrüsen, ist es z.B. notwendig zusätzlich Jod zu geben. Auch Salz wird zugegeben, da eine Barfmahlzeit gewöhnlich auch kein Blut mehr enthält. Fischöl wird sowohl beim BARF wie auch beim Prey Model Raw verwendet. RAMB enthält keine Supplemente, es sei denn sie sind bei den Tischabfällen enthalten.

Um zu entscheiden welcher Philosophie man folgen möchte, ist es am einfachsten die Argumente der verschiedenen Modelle zu vergleichen und für sich selbst zu überlegen, welche man als am stichhaltigsten erachtet. Hierzu gibt es verschiedene Lektüren, welche bei der Entscheidung behilflich sein können.

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Mein Name ist Saskia und gemeinsam gehen meine beiden Hunde Finya und Kenai mit mir durch das Leben. Finya ist ein Deutscher Großspitz und vier Jahre alt, Kenai ein Australian Shepherd und drei Jahre alt. Beide Hunde leben seit dem Welpenalter an bei mir. Unterschiedlicher als die Beiden können Hunde kaum sein, aber trotzdem ergänzen sie sich wunderbar. Neben dem Wandern gehört Rally Obedience zu unseren liebsten Beschäftigungen- naja und natürlich gemeinsam Blödsinn machen.