Die Kastration beim RĂŒden – Diese Vor- und Nachteile verbergen sich dahinter

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Es ist mitten in der Nacht und Bud, der DackelrĂŒde, steht mit allen vier Pfoten auf mir und singt. Es ist Herbst und viele Hundedamen sind lĂ€ufig und Bud ist schwer verliebt. Schon bei der letzten Gassirunde, war er total neben der Spur und hat nur noch die HĂŒndinnen im Kopf. Appetit hat er auch kaum, sein Abendessen, auf das er sonst schon sehnsĂŒchtig wartet, isst er ohne jegliche Begeisterung. Viel lieber wĂ€re er jetzt draußen und wĂŒrde an den verheißungsvollen Duftmarken schnĂŒffeln. „Reiß dich zusammen oder du wirst kastriert.“, warne ich Bud. Jedoch ist das eine leere Drohung, denn eine Kastration kommt fĂŒr uns nicht in Frage, außer aus gesundheitlichen GrĂŒnden. Wann eine Kastration notwendig ist und welche Auswirkungen sie auf Euren Hund hat, erfahrt Ihr heute bei uns.

FĂŒr wen ist eine Kastration sinnvoll?

Eine Kastration bedeutet nicht nur, dass euer RĂŒde nun von hinten etwas anders aussieht, sie bringt auch grundlegende Änderungen in seinem Verhalten mit sich. Es sollte also genau ĂŒberlegt werden, ob dieser Eingriff medizinisch notwendig ist. Einfach so, weil Ihr es so möchtet, darf ein Tierarzt nĂ€mlich gar keine Kastration durchfĂŒhren.

Das sagt das Tierschutzgesetz

Kastrationen gehören zu den am hĂ€ufigsten durchgefĂŒhrten Eingriffen am Tier und werden vielleicht deswegen, fast schon als etwas ganz Normales angesehen. Doch mittlerweile verbietet das Tierschutzgesetz §6 das Amputieren von Körperteilen des Tieres ohne medizinischen Grund – und genau das, ist eine Kastration oftmals. Noch vor ein paar Jahren, sah das ganz anders aus, so galt eine Kastration als Lösung fĂŒr Erziehungsschwierigkeiten junger RĂŒden und sollte nicht in erster Linie die Fortpflanzung verhindern, sondern ihn einfach ruhiger, gefĂŒgiger und leichter erziehbar machen. Heute geht man mit diesem Thema sensibler um, es wird nicht sofort jeder Hund kastriert.

Medizinische GrĂŒnde fĂŒr eine Kastration

NatĂŒrlich gibt es auch den umgekehrten Fall: Ihr wolltet Euren RĂŒden einen ganzen Kerl bleiben lassen, doch plötzlich legt Euch der Tierarzt nahe, eine Kastration durchfĂŒhren zu lassen. Wann kann das der Fall sein? Manche RĂŒden legen eine hormonbedingte HypersexualitĂ€t an den Tag, das heißt, sie finden keine Ruhe mehr, verweigern in der LĂ€ufigkeitssaison ihr Futter und versuchen, ĂŒberall aufzureiten. Das finden andere RĂŒden gar nicht witzig und schon wird aus spielen Ernst. Hormonstörungen wie Hyperöstrogenie, können sogar zur Bildung von Mammatumoren fĂŒhren. Bei Tumorerkrankungen wie Hodenkrebs oder Tumore an den PerianaldrĂŒsen ist die Kastration unabdingbar. Auch Prostataerkrankungen, BindegewebsschwĂ€chen oder chronische VorhautentzĂŒndungen können zur Notwendigkeit einer Kastration fĂŒhren. Viele RĂŒden leiden wĂ€hrend der PubertĂ€t unter einer Fehlentwicklung des Hodens, diese befinden sich dann nicht an der richtigen Stelle, sondern wandern in den Bauchraum ab. Auch Verletzungen des Hodens können dazu fĂŒhren, dass der RĂŒde kastriert werden muss, um Schlimmeres zu verhindern.

Zusammenleben von Hund und HĂŒndin

Leben RĂŒde und HĂŒndin gemeinsam unter einem Dach, besteht ganz besonders die Gefahr einer ungeplanten TrĂ€chtigkeit. Nicht nur, dass die beiden Hunde einen unbeobachteten Moment nutzen könnten, auch der Stress fĂŒr beide Hunde ist enorm. Der RĂŒde ist den Duftstoffen der lĂ€ufigen HĂŒndin unmittelbar ausgesetzt und findet keine Ruhe mehr. Wer keine Möglichkeit hat, die Hunde fĂŒr diesen Zeitraum getrennt zu halten, wird nicht darum herumkommen, einen der beiden kastrieren zu lassen. Sind beide Hunde gesund, fĂ€llt das Los oft auf den RĂŒden, da der Eingriff beim RĂŒden weniger aufwendig ist als bei einer HĂŒndin.

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Nicht vom Tierschutzgesetz akzeptierte GrĂŒnde

Weil ein RĂŒde besonders dominant gegenĂŒber seiner Besitzer oder Artgenossen ist, muss er noch lĂ€ngst nicht auf den Operationstisch. Ungehorsam und AufmĂŒpfigkeit zeigen sich oft in der PubertĂ€t des RĂŒden, der nur noch HĂŒndinnen im Kopf hat und sich so gar nicht fĂŒr sein Herrchen oder Frauchen interessiert. Ein Grund fĂŒr die Kastration? Nein. Die PubertĂ€t mag anstrengend sein, aber irgendwann legt sich das Hormonchaos des jungen Hundes von ganz alleine. Die LĂ€ufigkeitszeit treibt ebenfalls viele RĂŒdenbesitzer zur Weißglut, doch wenn der RĂŒde nicht extrem darunter leidet, so dass er gar nichts mehr frisst, ist auch das kein Grund fĂŒr einen Eingriff.

Ab welchem Alter sollte man den Hund kastrieren?

In welchem Alter man seinen RĂŒden kastrieren lassen sollte, lĂ€sst sich nicht so einfach pauschalisieren, da die GrĂŒnde fĂŒr eine Kastration unterschiedlich sind und auch jeder Hund sich unterschiedlich schnell entwickelt. Generell gilt, dass der Hund ausgewachsen sein sollte, da seine Entwicklung durch die Hormone, die zur Fortpflanzung benötigt werden, beeinflusst wird. Unter einem Jahr fĂŒhren TierĂ€rzte generell nur ungern Kastrationen durch. WĂŒrde man zu frĂŒh kastrieren, kann dies nicht nur Folgen auf seinen Körper haben, sondern auch auf sein Sozialverhalten mit anderen Hunden. Anders sieht es aus, wenn akuter Handlungsbedarf besteht, wie bei Tumoren oder Verletzungen. Alte Hunde sollten ebenfalls nicht mehr kastriert werden, da diese Belastung fĂŒr sie zu hoch ist.

Ablauf der Kastration

Vorbereitung des Halters

Wie bei jeder Operation muss der Hund nĂŒchtern sein, das heißt, er darf zwölf Stunden vor dem Eingriff nichts mehr fressen. Trinken ist erlaubt, direkt vor der OP sollte aber auch darauf verzichtet werden. Unmittelbar bevor es zum Tierarzt geht, ist es gut, wenn der RĂŒde das Beinchen nochmal hebt, denn die nĂ€chsten Stunden wird er dazu keine Gelegenheit mehr haben.

Vorbereitung des Tierarztes

Beim Tierarzt angekommen wird der RĂŒde ein letztes Mal durchgecheckt. Die Narkose wird durch eine Injektion oder, je nach Praxis, auch durch eine Inhalation herbeigefĂŒhrt. SpĂ€testens jetzt mĂŒsst Ihr das Feld rĂ€umen, nur die wenigsten TierĂ€rzte erlauben Zuschauer bei Operationen. WĂ€hrend Ihr wartet, geht es nun richtig los. Das Fell im Operationsbereich wird entfernt, der Operationsbereich selbst wird desinfiziert, danach beginnt die Operation.

Die Operation

Je nach Körpergewicht des RĂŒden gibt es zwei unterschiedliche Formen, um einen RĂŒden zu kastrieren. Bei der Orchidektomie wird der Hoden aus dem Hodensack entfernt, das ist die Standardkastration und geht im Vergleich zur anderen Methode schneller. Bei der Skrotektomie wird der Hodensack mit den Hoden entfernt, diese Kastrationsform hat den Vorteil, dass keine funktionslose HĂŒlle ĂŒbrig bleibt, was den Heilungsprozess vereinfacht. Die Orchidektomie wird noch in bedeckte und unbedeckte Kastration unterschieden, ausschlaggebend dabei ist hier das Körpergewicht. Wiegt der RĂŒde unter 20 Kilogramm, wird eine bedeckte Kastration durchgefĂŒhrt, dabei muss die Bauchhhöhle nicht geöffnet werden, um die SamenstrĂ€nge abzutrennen. Hunde mit einem Körpergewicht ĂŒber 20 Kilogramm werden durch die unbedeckte Kastration unfruchtbar gemacht, hier wird die Bauchhöhle geöffnet. Wurden die Hoden entfernt, muss die Wunde vernĂ€ht werden, der Eingriff dauert je nach Methode um die dreißig Minuten. Bis die Narkose nachlĂ€sst, dauert es jedoch noch ein bis zwei Stunden. Meistens erhĂ€lt der Halter, wenn er nicht vor Ort gewartet hat, nun den Anruf der Praxis zur Abholung seines Hundes.

Nach der Operation

Wie nach jeder mit einer Narkose verbundenen Operation braucht der Hund nun erstmal Ruhe und sollte warm gehalten werden. Ein warmes Körbchen in einem dunklen, ruhigen Zimmer sind am besten schon vor dem Abholen vorzubereiten. Wasser darf bereit gestellt werden, fressen sollte der Hund erst, wenn er wieder vollkommen munter ist. Besonders gut verdauliches Futter oder Schonkost ist von Vorteil, die Wunde wird in der nĂ€chsten Zeit empfindlich sein und Knochenkot oder Durchfall wĂ€ren gleichermaßen ungĂŒnstig. Lange SpaziergĂ€nge, springen und wildes Spielen sollte vermieden werden, ebenso ist es ratsam, den RĂŒden an der Leine zu behalten und auf Hundekontakt erstmal zu verzichten. Zum einen ist die Gefahr mit Keimen in BerĂŒhrung zu kommen fĂŒr den frisch operierten Hund zu riskant, da schon die Operation eine gesundheitliche Belastung darstellt und der Hund jetzt gerade besonders anfĂ€llig ist. Zum anderen kann es vorkommen, dass der RĂŒde nach der Kastration verwirrt reagiert. Es fehlen von jetzt auf gleich Hormone und bis sich sein Körper an die neue Situation gewöhnt hat, kann der RĂŒde leicht reizbar reagieren. Andere RĂŒden werden ihn durch verĂ€nderten Körpergeruch anders behandeln und vielleicht sogar aufdringlich sein. Besser ist es also, zunĂ€chst Abstand zu halten, andere Hundehalter vorzuwarnen und als zusĂ€tzlichen Warnhinweis eine gelbe Schleife am Hund oder der Leine zu befestigen. (Da nicht alle Hundehalter diesen Warnhinweis, bitte nicht nĂ€her zu kommen, kennen, sollte dieses Signal wirklich nur zusĂ€tzlich zur verbalen Warnung eingesetzt werden.) Damit der Vierbeiner nicht an seiner frischen Wunde leckt oder gar an den FĂ€den zieht, bekommt er noch einen Kragen oder manchmal auch einen OP-Body. UngefĂ€hr sieben bis zehn Tage nach der Operation werden die FĂ€den vom Tierarzt gezogen, dann wird auch der Trichter beziehungsweise der OP-Body entfernt.

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Kosten einer Kastration

Die Kosten fĂŒr eine Operation sind je nach Praxis unterschiedlich, meistens liegt der Preis zwischen 120 und 200 Euro. Abgesehen von den Kosten des Eingriffs selbst, ergeben sich noch weitere Kosten durch die Nachsorge. Der finanzielle Aspekt der Kastration sollte bei der Wahl der Praxis nicht im Vordergrund stehen.

Auswirkungen

Die beabsichtigte Auswirkung des Kastration ist natĂŒrlich die Hemmung des Sexualtriebes, lĂ€ufige HĂŒndinnen sind nun nicht mehr so interessant. Aufgepasst werden muss besonders beim Futter, denn nach der Kastration neigen viele Hunde dazu, schneller zuzunehmen. Die körperliche Auslastung des Hundes und eine Anpassung seiner Mahlzeiten können helfen. Gerade bei Ă€lteren Hunden ist es schwer, da diese nach einer Kastration besonders schnell zunehmen, aber eine TrĂ€gheit macht sich auch bei jĂŒngeren RĂŒden bemerkbar, der Hund ist oft weniger aktiv.Bei manchen Hunden kann es zum HarntrĂ€ufeln kommen, bei HĂŒndinnen besteht sogar ein Risiko zur Inkontinenz. Rassebedingt können auch VerĂ€nderungen des Fells auftreten, es wird weicher und erinnert etwas an Welpenfell. Bei Rassen wie Golden Retrievern, Spaniel- oder Setterarten tritt dieses PhĂ€nomen hĂ€ufig auf, bei HĂŒndinnen jedoch hĂ€ufiger als bei RĂŒden.

Alternativen zur Kastration

Die wohl bekannteste Alternative zur operativen Kastration ist die chemische Kastration durch einen Hormonchip. Ein wenig mag das an die hormonelle EmpfĂ€ngnisverhĂŒtung beim Menschen erinnern, denn hier wirkt ein Hormonchip dem Trieb des RĂŒden entgegen. Das Suprelorin-Implantat enthĂ€lt Deslorelin, ein Hormon, das die HirnanhangsdrĂŒse anregt, die fĂŒr die AusschĂŒttung von Hormonen, die die Eierstöcke von HĂŒndinnen oder die Hoden des RĂŒden anregen. Diese AusschĂŒttung der Hormone erfolgt jedoch in geringer, aber bestĂ€ndiger Dosis, wodurch die AktivitĂ€t in Eierstock oder Hoden reduziert wird und damit den Fortpflanzungstrieb und -fĂ€higkeit verhindert. Der Chip hĂ€lt sechs bis zwölf Monate, je nach Dosierung des Deslorelin, und benötigt circa sechs Wochen, bis die chemische Kastration wirkt, da sich solange noch bereits produziertes Sperma im Nebenhoden hĂ€lt. Ein kurzzeitiger Anstieg des Testosteronspiegels ist möglich, da zunĂ€chst die Hormonproduktion angeregt wird. Es wird keine Operation durchgefĂŒhrt und auch eine Narkose ist nicht notwendig, stattdessen wird das Implantat wie eine ĂŒbliche Injektion mit einer Spritze eingesetzt. Nach der Wirkungsdauer zersetzt sich der Chip selbst und bleibt dadurch nicht im Körper. Die chemische Kastration hat Ă€hnliche Konsequenzen wie die operative Kastration, so kann es zu einer Gewichtszunahme, geringerer AktivitĂ€t, Inkontinenz oder FellverĂ€nderungen kommen. Außerdem kann es auch hier zu Verwirrung im Kontakt mit Artgenossen kommen. Der entscheidende Unterschied zur operativen Kastration ist jedoch, dass die Hoden nicht amputiert werden mĂŒssen und die Kastration rĂŒckgĂ€ngig gemacht werden kann. Wird der Chip wieder entfernt, normalisiert sich der Hormonhaushalt des RĂŒden und er ist wieder in der Lage, sich fortzupflanzen. Jedoch kann es gerade bei kleinen Rassen unter 5 Kilogramm auch dazu kommen, dass die Hemmung der FortpflanzungsfĂ€higkeit nicht mehr aufgehoben werden kann. Vor einer operativen Kastration wird die chemische Kastration gern erstmal ausprobiert, da so die möglichen Nebenwirkungen bemerkt werden können, bevor sie unumkehrbar sind. So mancher Hundehalter bereut spĂ€testens bei der Inkontinenz seines Hundes vorschnell kastriert zu haben. Je nachdem ob Nebenwirkungen durch die Kastration auftreten oder nicht, kann der Hormonchip als Entscheidungshilfe vor einer operativen Kastration eingesetzt werden. Risiken gibt es auch beim Hormonchip, da das Implantat vom Körper durch den Stichkanal wieder abgestoßen werden kann oder im Fettgewebe liegt, was die Wirkstoffabgabe behindert. Ob Tumor-Erkrankungen durch die chemische Kastration begĂŒnstigt werden, ist bisher nicht bekannt. Spritzen und Tabletten mit Ă€hnlichen Wirkungen gibt es auch, jedoch mĂŒssen diese meistens alle 6 Wochen gegeben werden.

Fazit

Wenn Euer RĂŒde nicht an einer Erkrankung leidet oder sich eine Verletzung am Hoden zugezogen hat, ist eine chemische Kastration als Kastration auf Probe keine schlechte Sache. Ihre Folgen können beobachtet werden und zur Entscheidung ĂŒber eine endgĂŒltige Kastration beitragen. Doch fĂŒr welche Kastrationsvariante man sich auch entscheidet, man sollte sich im Klaren sein, dass es sich um einen Eingriff handelt, der das bisherige Leben des RĂŒden komplett auf den Kopf stellt. FĂŒr andere RĂŒden wird er sogar ganz anders riechen und auch anders von ihnen behandelt werden, er kann durchaus von einem Wildfang zu einer Couchpotato werden oder auch etwas zunehmen. Überdenkt diese Entscheidung also gut und holt Euch ggf. eine Zweitmeinung eines anderen Tierarztes, bevor Ihr etwas abschneiden lasst, das nicht wieder nachwĂ€chst.

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